Im letzten Teil von exxpress live diskutierte Moderator Volker Piesczek mit dem Unternehmensberater und Psychoanalytiker Martin Engelberg sowie exxpress-Redakteurin Anna-Sophie Prosquill über Gender Pay Gap, Arbeitsrealitäten und Probleme im Justizsystem.

„Es wird jedes Jahr instrumentalisiert“

Ausgangspunkt der Debatte war der Equal Pay Day und die Frage, wie aussagekräftig die oft zitierten Zahlen tatsächlich sind. Anna-Sophie Prosquill stellte dabei klar, dass in der öffentlichen Diskussion häufig Dinge vermischt würden. Viele Familien stünden vor ganz praktischen Entscheidungen, die sich direkt auf Erwerbsbiografien auswirken. Sie kritisierte aber vor allem die politische und mediale Zuspitzung des Themas. „Mit diesem Gender Pay Gap wird immer probiert, wieder zu instrumentalisieren, mit der Moralkeule zu schwingen“, sagte sie. Natürlich gebe es Unterschiede, betonte er, „aber das gibt es sicher in einzelnen Fällen, aber das ist nicht die Regel.“

Für Engelberg liegt ein Teil der Ursachen auch im Verhalten am Arbeitsmarkt. Frauen würden bei Gehaltsverhandlungen oft defensiver auftreten oder seltener aktiv auf Beförderungen drängen. „Da entstehen einfach Diskrepanzen, die geschuldet sind unserer Gesellschaftskultur“, erklärte er und verwies zudem auf die unterschiedliche Verteilung in Berufsgruppen.

Justiz-Debatte sorgt für Diskussion

Im weiteren Verlauf der Sendung rückte dann das Justizsystem in den Fokus. Ausgangspunkt war ein Bericht über Social-Media-Posts aus einer Justizanstalt, in denen ein Insasse über Zustände im Gefängnisalltag schilderte.

Anna-Sophie Prosquill erklärte, dass diese Berichte schließlich zu einer parlamentarischen Anfrage geführt hätten. Dabei sei unter anderem thematisiert worden, dass es Hinweise auf Gewalt, Drogenhandel und unerlaubte Handynutzung gebe. Brisant: Laut Anfragebeantwortung habe die Justizministerin zu vielen Vorwürfen keine konkreten Zahlen nennen können und teils erklärt, gewisse Umgehungspraktiken ließen sich nicht vollständig verhindern.

In der Runde wurde auch darüber gesprochen, dass Justizwachbeamte im Alltag häufig stark belastet seien und mit schwierigen Situationen konfrontiert würden. Die Diskussion zeigte, wie groß die Diskrepanz zwischen öffentlicher Wahrnehmung, politischer Kommunikation und tatsächlichen Zuständen sein kann.