Geschlechtswechsel im Volksschulalter? Neue Trans-Regeln entfachen Streit
Neue Trans-Richtlinie für Schulen lösen in Großbritannien einen Debatte aus. In Ausnahmefällen soll selbst im Grundschulalter eine soziale Transition möglich sein. Einmal mehr werden Regeln schwammiger und Elternrechte ausgehöhlt.
In Großbritannien sorgt eine neue Leitlinie der Labour-Regierung zum Umgang mit „genderfragenden“ Schülern für heftige Kritik. Bildungsexperten und Oppositionspolitiker schlagen Alarm: Die Regelung lasse Schulen zu viel Spielraum – selbst Grundschulkinder könnten unter Umständen sozial „transitionieren“, also im Schulalltag als anderes Geschlecht auftreten. Besonders brisant ist, dass Eltern dabei außen vor bleiben könnten.
„Zu viel Spielraum“ für Schulen
Scharfe Kritik kommt von Baroness Amanda Spielman, der früheren Chefin der britischen Schulaufsichtsbehörde Ofsted. Ofsted ist in etwa mit der staatlichen Schulinspektion vergleichbar und kontrolliert landesweit die Qualität von Schulen und Bildungseinrichtungen.
Spielman warnte im BBC-Interview, die neuen Vorgaben eröffneten Schulen zu viel Spielraum, um eine soziale Transition „geheim vor den Eltern“ zu erlauben.
„Soziale Transition ist kein neutraler Akt“, betonte sie. Es bestehe die Gefahr, dass Kinder – etwa durch Einfluss von Gleichaltrigen oder Aktivisten – Schulen erzählen könnten, sie fühlten sich zu Hause „nicht sicher“, um so eine Zustimmung zur Transition zu erhalten.
Was die neuen Regeln vorsehen
Die vom britischen Bildungsministerium veröffentlichte Leitlinie befindet sich derzeit in einer Konsultationsphase und soll später gesetzlich verankert werden. Offiziell heißt es, eine soziale Transition bei Grundschulkindern solle nur in „sehr seltenen Fällen“ möglich sein. Was jedoch genau unter einem solchen Ausnahmefall zu verstehen ist, bleibt offen – und genau hier setzt die Kritik an.
Zwar betont das Ministerium, Eltern sollten grundsätzlich einbezogen werden. Gleichzeitig enthält das Papier eine Klausel, wonach Schulen in bestimmten Situationen darauf verzichten können, wenn sie eine Gefährdung des Kindes befürchten. Kritiker warnen, dass diese Formulierung einen erheblichen Interpretationsspielraum lässt – und damit faktisch doch Entscheidungen ohne Wissen der Eltern ermöglicht.
Festgehalten wird außerdem, dass das Geburtsgeschlecht in Schulunterlagen dokumentiert bleiben muss und Toiletten sowie Umkleiden weiterhin getrennt geführt werden sollen. Auch bei Klassenfahrten und im Sport wird auf Trennung gesetzt, sofern Sicherheitsaspekte berührt sind.
Gleichzeitig dürfen Schulen eine soziale Transition zwar nicht „initiieren“, sehr wohl aber auf entsprechende Wünsche reagieren. Gegner der Richtlinie sehen darin keinen echten Schutzmechanismus, sondern eine juristisch vorsichtige Formulierung, die in der Praxis weitreichende Konsequenzen haben könnte.
Konservative Opposition schlägt Alarm
Die konservative Abgeordnete Claire Coutinho kritisierte, Grundschulkinder seien „zu jung für solche Entscheidungen“. Die frühere Tory-Fassung habe eine klare Linie vorgesehen: Keine soziale Transition im Grundschulalter.
Die Vorsitzende der britischen Konservativen, Kemi Badenoch, warf der Labour-Regierung vor, mit der neuen Leitlinie „Aktivisten über Kinder“ zu stellen. Sie sagte gegenüber the Sun wörtlich: „Wenn es um Kinder geht, kann man keinen Mittelweg wählen. Entweder man stellt Schutz und Eltern in den Mittelpunkt – oder Aktivisten.“ Sie werde „immer die Kinder wählen“.
Unklar bleibe nun, was genau als „seltener Fall“ gelte. Außerdem fehle ein ausdrücklicher Schutz für Lehrer oder Schüler, die aus religiösen Gründen die Verwendung neuer Pronomen ablehnen.
Auch die als „strengste Schulleiterin Großbritanniens“ bekannte Katherine Birbalsingh bezeichnete die Leitlinie als „skandalös“ und sprach von einem „Missbrauch staatlicher Macht“.
Zustimmung von Schulleiter-Verband
Unterstützung kommt hingegen vom Verband der Schul- und College-Leiter (ASCL). Generalsekretär Pepe Di’Iasio sprach von einer „überfälligen Klarstellung“, die für mehr Einheitlichkeit sorge und das Kind in den Mittelpunkt stelle.
Eltern würden grundsätzlich eingebunden – eine Ausnahme sei nur vorgesehen, wenn das Kindeswohl konkret gefährdet erscheine.
Baroness Hilary Cass, deren Untersuchung zur NHS-Genderbehandlung bei Minderjährigen weitreichende Änderungen – inklusive Verbot von Pubertätsblockern – ausgelöst hatte, bewertete die neue Leitlinie vorsichtig positiv.
Sie betonte, es sei „unmöglich, das Thema vollkommen wasserdicht zu regeln“, lobte jedoch die klare Betonung, dass soziale Transition bei sehr jungen Kindern „verschwindend selten“ sein müsse – idealerweise nur mit klinischer Beratung.
Politisch hochbrisantes Thema
Die neue Leitlinie der britischen Regierung ist nicht aus dem Nichts entstanden, sondern Teil einer längeren politischen und fachlichen Debatte, die seit mehreren Jahren läuft. Nach einer umfangreichen öffentlichen Konsultation und dem Einfluss einer großen wissenschaftlichen Untersuchung steht sie nun im Zentrum eines Kulturkampfs zwischen verschiedenen politischen Lagern und Expertengruppen.
Die Empfehlungen der Regierung sind ein Update zu dem, was bislang galt, und sollen – offiziell – Schulen helfen, klarer und rechtlich sicherer mit Kindern umzugehen, die ihre Geschlechtsidentität in Frage stellen. Die Leitlinie ist dabei Teil der sogenannten Keeping Children Safe in Education-Regeln, also der zentralen britischen Schutzvorgaben für Schulen
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