Genau dieses Muster zeigt sich zunehmend bei chronischen Erkrankungen von Niere und Leber.

Chronische Nierenerkrankungen auf dem Vormarsch

Fachleute rechnen damit, dass sich die Zahl der Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion in den kommenden Jahren deutlich erhöhen wird. Nach aktuellen Einschätzungen könnte bis zum Jahr 2040 bereits rund jeder fünfte Erwachsene in Österreich von einer Form der Nierenerkrankung betroffen sein. Der Anstieg ist kein Zufall, sondern das Ergebnis mehrerer Entwicklungen, die sich gegenseitig verstärken.

Bei vielen Patienten treten Nierenschäden nicht isoliert auf. Häufig sind sie eng mit weit verbreiteten Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen verknüpft. Diabetes, starkes Übergewicht und dauerhaft erhöhter Blutdruck gelten als zentrale Risikofaktoren. Dabei wirken diese Erkrankungen nicht nur in eine Richtung: Bluthochdruck kann die Nieren
schädigen, gleichzeitig kann eine eingeschränkte Nierenfunktion den Blutdruck weiter erhöhen. Diese Wechselwirkungen beschleunigen Krankheitsverläufe erheblich.

Zusätzlich verschärft der demografische Wandel die Situation. Mit einer älter werdenden Bevölkerung steigt zwangsläufig auch die Zahl jener Menschen, deren Organe altersbedingt an Leistungsfähigkeit verlieren.

Prävention als unterschätzter Hebel

Trotz der ernüchternden Prognosen sehen Mediziner durchaus Möglichkeiten,
gegenzusteuern. Lebensstilfaktoren spielen eine entscheidende Rolle. Regelmäßige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung mit reduziertem Salzanteil sowie eine insgesamt maßvolle Eiweißzufuhr können das Risiko für Nierenerkrankungen deutlich senken.

Ein zentrales Problem bleibt jedoch die späte Diagnose. Die Niere arbeitet lange Zeit unauffällig. Beschwerden treten häufig erst dann auf, wenn bereits ein erheblicher Funktionsverlust eingetreten ist. Umso wichtiger wären frühzeitige Vorsorgeuntersuchungen. Einfache Tests, etwa regelmäßige Urinanalysen zur Kontrolle von Eiweißausscheidungen, könnten helfen, Erkrankungen deutlich früher zu erkennen.

Engpass im niedergelassenen Bereich

Ein strukturelles Defizit zeigt sich vor allem außerhalb der großen Kliniken. In vielen Regionen Österreichs gibt es nur wenige niedergelassene Fachärzte, die routinemäßige Analysen durchführen. Der Ausbau dieses Bereichs gilt als dringlich. Auch die Nachbetreuung chronisch Kranker oder transplantierter Patienten könnte stärker in den ambulanten Bereich verlagert werden, um spezialisierte Zentren zu entlasten.

Auch die Lebererkrankungen sind auf dem Vormarsch

Parallel zur Entwicklung bei den Nierenerkrankungen häufen sich auch Leberprobleme und das in immer jünger werdenden Altersgruppen. Besonders alarmierend ist der Anstieg der nicht-alkoholischen Fettleber, die inzwischen häufig bei Kindern und Jugendlichen diagnostiziert wird.

Die Ursachen liegen vor allem in dauerhaft falscher Ernährung, Bewegungsmangel und einem übermäßigen Konsum zuckerhaltiger Produkte. Überschüssige Kohlenhydrate und Zucker werden in der Leber gespeichert und führen dort zu einer schleichenden Verfettung. Die Folgen reichen von auffälligen Leberwerten bis hin zu schweren Leberschäden, die im Extremfall eine Transplantation erforderlich machen können. Auch das Risiko für Diabetes steigt deutlich.

Auffällige Veränderungen im Kindesalter

Schulärztliche Beobachtungen zeigen seit Jahren einen klaren Trend: Kinder werden im Durchschnitt schwerer, bewegen sich weniger und konsumieren zunehmend stark verarbeitete Lebensmittel. Bewegung kommt im Alltag vieler Familien zu kurz.

Nicht selten stoßen Präventionsbemühungen hier an soziale Grenzen. Zeitmangel, finanzielle Einschränkungen und fehlende Alltagsstrukturen erschweren gesunde Ernährung und regelmäßige körperliche Aktivität.