Gesundheitssystem unter Druck: Steirer zweifeln an der medizinischen Versorgung
Während Politik und Verwaltung seit Jahren an Reformen feilen, wächst bei vielen Menschen das Gefühl, dass sich die Lage im Gesundheitswesen kaum verbessert – eher das Gegenteil ist der Fall. Der aktuelle österreichweite Gesundheitsreport zeichnet für die Steiermark ein besonders zurückhaltendes Stimmungsbild und zeigt: Optimismus ist rar.
Im Rahmen der jüngsten Erhebung des Institut für empirische Sozialforschung (IFES) wurden die Menschen nicht nur nach ihrem persönlichen Gesundheitszustand, sondern auch nach ihren Erwartungen an das heimische Gesundheitssystem befragt. Das Ergebnis fällt für die Steiermark ernüchternd aus. Nur eine kleine Minderheit rechnet im laufenden Jahr mit einer spürbaren Verbesserung der eigenen Gesundheit. Der Großteil geht davon aus, dass sich nichts ändern wird, während ein beachtlicher Anteil sogar eine Verschlechterung befürchtet.
Damit liegt die Steiermark nicht nur unter dem ohnehin verhaltenen österreichweiten Durchschnitt, sondern sticht als besonders skeptische Region hervor. Das Vertrauen in positive Entwicklungen scheint hier stärker erschüttert als anderswo.
Medikamente als täglicher Begleiter
Ein Schlaglicht wirft der Bericht auf den Umgang mit Medikamenten. Rund jeder zweite Befragte gab an, täglich Arzneimittel einzunehmen. Mit zunehmendem Alter steigt dieser Wert deutlich an – in der Generation 60 plus gehören Medikamente für die große Mehrheit längst zum Alltag. Der überwiegende Teil dieser Präparate ist verschreibungspflichtig, was auf eine wachsende Abhängigkeit von medizinischer Dauerbehandlung hinweist.
Auch Tirol kämpft mit strukturellen Engpässen
Nicht nur in der Steiermark zeigen sich Spannungen im Gesundheitssystem. Auch Tirol, lange Zeit mit dem Ruf einer starken medizinischen Versorgung versehen, stößt zunehmend an seine Grenzen. Besonders deutlich werden die Verwerfungen mit Blick auf Gesundheitsberatungs-Hotline 1450.
Zwar dient die Nummer noch immer als erste Anlaufstelle für gesundheitliche Fragen, doch laut Verantwortlichen fehlt es im Hintergrund an ausreichend Strukturen, um rasch reagieren zu können. Pflegekräfte oder mobile Dienste, die bei Bedarf direkt zu Patienten entsandt werden könnten, stehen nicht flächendeckend zur Verfügung. Telefonärzte sind zwar zeitweise im Einsatz, können aber die Lücken im System nur teilweise schließen.
Entlastung erhofft man sich von Primärversorgungszentren – doch deren Ausbau kommt in Tirol nur schleppend voran. Bislang existieren lediglich wenige Standorte, weitere sind erst in Planung. In anderen Bundesländern ist man hier weiter: Dort können über die 1450 teils direkt Termine in solchen Zentren vergeben werden. Diese Möglichkeit würde auch Tirol helfen, Patienten gezielter zu lenken und Spitäler zu entlasten.
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