In Straßburg entsteht derzeit eine der größten Moscheen Europas. Der Bau der Eyyub-Sultan-Moschee im Stadtteil Meinau ist weit fortgeschritten, die Eröffnung wird nach mehreren Verzögerungen nun für 2026 erwartet.

Auf der offiziellen Spendenseite wird das Vorhaben noch größer inszeniert: Dort ist von der künftigen „größten Moschee Europas“ die Rede. Doch dieser Anspruch hält einem Faktencheck nicht stand.

Hier steht auf Türkisch: „Dies ist die offizielle Spendenseite des Großen Eyyûb-Sultan-Komplexes, der die größte Moschee Europas werden soll.“eyyubsultan.fr/Screenshot

Geplant ist eine Anlage mit rund 6.900 Quadratmetern Gesamtfläche und einem Gebetsraum für etwa 3.000 Gläubige. Zum Vergleich: Schon die Große Moschee von Rom ist mit rund 30.000 Quadratmetern deutlich größer, die Baitul-Futuh-Moschee in London bietet Platz für rund 13.000 Gläubige. Straßburg wäre damit ein bedeutender Neubau – aber keineswegs Europas größte Moschee.

Auch bei der Höhe relativiert sich der Anspruch: Die geplanten Minarette von rund 44 Metern liegen unter mehreren anderen Moscheebauten in Europa.

Millionenprojekt: Aufrufe zur Finanzierung der Moschee – auch nach gescheiterter öffentlicher Förderung.APA/AFP/Frederick FLORIN

Bau weit fortgeschritten – doch bei zentralen Zahlen gibt es Widersprüche

Der Bau läuft seit Jahren – und nähert sich nun der Zielgeraden. Laut Fachberichten war der Rohbau bereits 2024 nahezu fertig, 2025 wurde die Hauptkuppel mit dem Halbmond gekrönt. Als neuer Zeitrahmen gilt eine Fertigstellung bis 2026.

Geplant ist ein weitläufiger Komplex mit Moschee, Bibliothek, Bildungsräumen, Mehrzweckhallen, Geschäften und Gastronomie. Damit entsteht nicht nur ein Gebetsraum, sondern ein religiös-kulturelles Zentrum mit erheblicher Reichweite.

Auffällig sind jedoch Widersprüche bei den Angaben: Während die Projektseite Minarette von 44 Metern nennt, spricht ein französischer Regierungsbericht von 36 Metern. Auch bei den Kosten kursieren unterschiedliche Zahlen – bis zu 40 Millionen Euro.

Millionenprojekt mit heikler Finanzierung

Die Finanzierung ist seit Jahren einer der brisantesten Punkte. Ursprünglich war eine Mischfinanzierung vorgesehen: 74 Prozent Spenden, 26 Prozent öffentliche Gelder. Die Stadt Straßburg stellte 2021 sogar 2,5 Millionen Euro in Aussicht. Nach massiver Kritik wurde der Antrag jedoch zurückgezogen, die Entscheidung später gerichtlich kassiert.

Schlüsselfigur im Projekt: CIMG-Vertreter Eyüp Sahin verteidigt den umstrittenen Moscheebau in Straßburg.APA/AFP/FREDERICK FLORIN

Besonders heikel: Laut französischen Medien wurde auch versucht, Geld aus Katar und Kuwait zu bekommen. Heute setzt das Projekt offiziell wieder auf private Spenden, auch über Konten in Frankreich und Deutschland.

„Megaloman“ – scharfe Kritik von Politik und Kirche

Die Debatte eskalierte früh – und zwar weit über Straßburg hinaus.

Der damalige Innenminister warf der Stadt vor, eine Organisation mit problematischem Hintergrund zu unterstützen. Auch kirchliche Stimmen wurden ungewöhnlich deutlich: Straßburgs Erzbischof bezeichnete das Projekt als „größenwahnsinnig“. Ein protestantischer Vertreter kritisierte mangelnde Einbindung und eine architektonische Symbolik, die keineswegs unschuldig sei.

Mehr als ein Gotteshaus: Rund um die Moschee entsteht ein eigenes Milieu

Die zentrale Kritik richtet sich nicht nur gegen den Bau. Recherchen zeigen: Rund um das Projekt entsteht ein enges sozio-religiöses Ökosystem – mit Schule, Jugendangeboten, religiöser Unterweisung, Ferienprogrammen und eigenen sozialen Strukturen.

Der Vorwurf: Es geht nicht bloß um Religion, sondern um dauerhafte Milieubildung. Also um ein Umfeld, das die Gläubigen von klein auf sozial, kulturell und religiös bindet. Die Betreiber weisen das zurück, betonen Transparenz und verweisen auf Kontrollen.

Fatih Sarikir (CFCM) – der Islam-Vertreter im Fokus: Debatte um Straßburger Moschee erreicht nationale Dimension.APA/AFP/Frederick FLORIN

Sicherheitsbehörden warnen seit Jahren vor Millî Görüş

In Deutschland und Österreich wird die türkisch-islamistische Bewegung hinter dem Projekt, Millî Görüş, seit Jahren kritisch beobachtet. Der Verfassungsschutz Baden-Württemberg schreibt, sie wolle die westliche „Ordnung des Unrechts“ durch eine islamische „Gerechte Ordnung“ ersetzen. Der österreichische Verfassungsschutzbericht 2023 geht noch weiter: Die Ideologie decke sich „in den Grundzügen“ mit jener der Muslimbruderschaft, ergänzt um eine türkisch-nationalistische Komponente. Zudem nennt der Bericht antisemitische Verschwörungsideologien.

Es geht hier nicht um offenen Dschihadismus, sondern um legalistischen Islamismus – also um eine Strategie, die im Rahmen legaler Mittel langfristig gesellschaftlichen und politischen Einfluss ausbauen will. Die ideologischen Wurzeln der Bewegung gehen auf den türkischen Islamisten Necmettin Erbakan zurück, dessen Erbe bis heute fortwirkt, darunter auch antisemitische Feindbilder.

Französischer Regierungsbericht warnt vor „verschärftem Separatismus“

Besonders brisant ist ein französischer Regierungsbericht aus dem Jahr 2025. Darin wird Millî Görüş als Bewegung mit muslimbrudernaher Prägung beschrieben.

Für Straßburg ist vor allem entscheidend: Der Bericht nennt das Projekt „CIMG Eyyub Sultan in Straßburg“ ausdrücklich und warnt vor der Gefahr eines verschärften Separatismus. Beschrieben wird ein enges Geflecht aus Wirtschaft, Bildung, Religion und sozialem Leben – mit starker innerer Bindung und nur geringer Öffnung nach außen.

Großbau mit Sprengkraft: Die Moschee sorgt nicht nur wegen ihrer Größe für Kritik, sondern wegen des Netzwerks dahinter.APA/AFP/Frederick FLORIN

Der eigentliche Sprengstoff liegt hinter der Fassade

Vor Ort wird das Projekt von CIMG-GMES (Millî Görüş) getragen. Zentrale Figur ist Eyüp Sahin, der zugleich eine führende Rolle innerhalb der Bewegung in Ostfrankreich spielt. Lokale Recherchen zeigen enge Verbindungen zwischen Moschee, Schule und weiteren Einrichtungen – teils unter derselben Leitung.

Finanziell lief nicht alles glatt. Berichten zufolge kam es zu Baustopps, Schulden von mehr als 3 Millionen Euro und einer deutlichen Abhängigkeit von Entscheidungen der Führung in Köln.

Für Aufregung sorgt die Moschee nicht nur wegen ihrer Größe. Der eigentliche Sprengstoff liegt in der islamistischen Struktur dahinter, die in Straßburg nicht nur ein Gotteshaus errichtet, sondern einen großen religiös-sozialen Komplex.