Hasenpest breitet sich aus: Zahl der Infektionen steigt deutlich
Eine seltene, aber ernstzunehmende Infektionskrankheit rückt derzeit stärker in den Fokus der Gesundheitsbehörden. In den vergangenen Monaten wurden im Klinikum Wels-Grieskirchen mehrere Patienten wegen Hasenpest behandelt – einer bakteriellen Erkrankung, die medizinisch als Tularämie bezeichnet wird. Fachleute stellen fest, dass die Zahl der registrierten Fälle in den letzten zwei Jahren merklich gestiegen ist.
Die Krankheit zählt zu den sogenannten Zoonosen, also Infektionen, die von Tieren auf den Menschen übertragen werden können. Besonders in ländlichen Regionen wird daher zunehmend auf Vorsichtsmaßnahmen hingewiesen.
Der Erreger der Hasenpest wird vor allem durch Feldhasen und Wildkaninchen verbreitet. Doch auch andere Tiere können eine Rolle bei der Übertragung spielen. So kann die Infektion unter Umständen auch durch Zecken, verschiedene Insektenarten oder Nagetiere wie Eichhörnchen auf den Menschen übergehen.
In Oberösterreich, insbesondere im Raum Grieskirchen, wurden zuletzt mehrere neue Erkrankungen gemeldet. Im Klinikum Wels-Grieskirchen zeigt sich der Anstieg besonders deutlich: Während dort früher durchschnittlich etwa sechs Patienten pro Jahr behandelt wurden, waren es im vergangenen Jahr bereits 19 bestätigte Fälle.
Jäger besonders gefährdet
Als besonders exponierte Gruppe gelten Menschen, die regelmäßig mit Wildtieren in Kontakt kommen – etwa Jäger. Bei der Verarbeitung erlegter Tiere besteht ein erhöhtes Risiko, mit dem Erreger in Berührung zu kommen.
Landesjägermeister Herbert Sieghartsleitner empfiehlt deshalb einfache, aber wirksame Schutzmaßnahmen: „Wir raten zur vorbeugenden Verwendung von Einweghandschuhen beim Verarbeiten von Hasen.“
Das Problem: Bei infizierten Tieren ist die Erkrankung häufig äußerlich kaum erkennbar. Erst bei einer genaueren Untersuchung – etwa durch das Auffinden einer vergrößerten Milz – kann eine Infektion festgestellt werden.
Erkrankung kann ohne Behandlung schwer verlaufen
Auch wenn die Hasenpest insgesamt als selten gilt, kann sie beim Menschen ohne medizinische Behandlung einen ernsten Krankheitsverlauf nehmen. Der Oberarzt Wolfgang Prammer vom Institut für Hygiene und Molekularbiologie des Klinikums Wels-Grieskirchen erklärt im Gespräch mit dem ORF:
„Durch Hautkontakt kann der Erreger eindringen und Geschwüre verursachen. Anschließend können die Lymphknoten anschwellen und man kann allgemeine Symptome wie Fieber, Muskelschmerzen und Gelenkschmerzen haben. Auch eine Lungenentzündung durch Einatmen erregerhaltigen Staubs ist möglich.“
Auch in Deutschland treten Fälle auf
Nicht nur in Österreich wird die Krankheit beobachtet. Auch in Deutschland registrieren Behörden zuletzt Infektionen. So wurden zuletzt Fälle in Hessen und Berlin gemeldet. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) wurden zwischen Januar und Anfang August 2025 bereits 86 Infektionen registriert – nahezu so viele wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Bereits im vergangenen Sommer hatten auch Behörden in Bayern zur Vorsicht aufgerufen. Im Norden von München infizierten sich zwei Menschen mit der Krankheit.
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