Heinzlmaier: „Mit 0,8 Kindern geht sich kein System aus“
Geburtenraten, Sozialversicherung und Staatsausgaben: Die Diskussion um Pensionen und Sozialbeiträge offenbart tiefe Risse im österreichischen System.
In exxpress live diskutierten Jugendforscher Bernhard Heinzlmaier und Kommunikationsberater Christoph Pöchinger über Pensionen, Sozialversicherung und Staatsausgaben. Vor allem die Frage, wer das System künftig finanzieren soll, sorgte für eine grundsätzliche Abrechnung mit der Politik.
„Wir brauchen eine Pensionsrevolution“
Bernhard Heinzlmaier formulierte es drastisch: Mit einer Geburtenrate von 0,8 Kindern pro österreichischer Frau gehe sich kein Umlagesystem aus. Das derzeitige Pensionsmodell sei strukturell überfordert – Reformen würden seit Jahren vertagt.
Er forderte keine kosmetische Anpassung, sondern eine „Pensionsrevolution“: Teilweise kapitalgedeckte Modelle nach skandinavischem Vorbild, kombiniert mit strukturellen Einschnitten im Staatsapparat. Statt immer neue Einnahmen zu suchen, müsse man endlich über Ausgaben reden.
Auch Christoph Pöchinger stellte klar: Eine bloße Abschaffung der Höchstbemessungsgrundlage – wie von SPÖ-Seite vorgeschlagen – verwandle die Sozialversicherung faktisch in eine Steuer. Leistung und Gegenleistung würden entkoppelt. Belakowitsch kritisierte, dass die Regierung bei Bürgern spare, während sie sich selbst neue Posten und Strukturen gönne. Vertrauen entstehe so keines.
Migration, Demografie und politische Realitätsverweigerung
Ein zweiter Brennpunkt: die demografische Entwicklung. Heinzelmeier verwies auf deutlich höhere Geburtenraten bei zugewanderten Gruppen – ein Thema, das politisch oft tabuisiert werde.
Die Debatte sei ideologisch aufgeladen, statt nüchtern geführt zu werden. Wer strukturelle Probleme anspreche, werde rasch moralisch abgekanzelt. Doch demografie- und migrationspolitische Fragen hätten direkte Auswirkungen auf Sozialsysteme, Schulen und Arbeitsmarkt.
Belakowitsch sprach von massiven Belastungen im Bildungs- und Gesundheitsbereich. Das Problem werde seit Jahren beschrieben, aber nicht gelöst. Stattdessen gebe es immer neue Ankündigungen – ohne konsequente Umsetzung.
Pöchinger brachte es kommunikativ auf den Punkt: Wenn Menschen das Gefühl hätten, sie zahlten immer mehr in ein System ein, das nicht nachhaltig reformiert werde, wachse die Frustration – und mit ihr die Bereitschaft, politisch neue Wege zu gehen.
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