Pünktlich zum Anpfiff der Weltuntergang: Kaum startet am Donnerstag die Fußball-WM in den USA, Kanada und Mexiko, meldet sich die UNO mit einer dramatischen Warnung zu Wort. Das UNO-Klimasekretariat sieht „extreme Hitze“ als „prägendes Element des Turniers“ – auf dem Spielfeld, auf den Tribünen, rund um die Stadien. Jedes vierte Spiel werde bei „gefährlicher Hitze“ stattfinden, die größte Gefahr lauere für die Fans. Verbreitet wurde die Botschaft, wie der ORF und zahlreiche andere Medien berichteten.

„Die FIFA-Weltmeisterschaft 2026, das größte Turnier in der Geschichte des Fußballs, wird in einer Zeit stattfinden, in der extreme Hitzewellen aufgrund des sich verschärfenden Klimawandels zunehmen“, teilte das Klimasekretariat mit. Klingt nach Hitzehölle. Nur: Wer einen Blick auf die tatsächlichen Wetterprognosen der Austragungsorte wirft, reibt sich verwundert die Augen. Denn von einem flächendeckenden Inferno ist dort – Stand 9. Juni – wenig zu sehen.

Screenshot des iPhone-Wetters am 9. Juni 2026 um 10:56 Uhr.
Screenshot des iPhone-Wetters am 9. Juni 2026 um 10:56 Uhr.

Der Realitätscheck: 22 Grad und Regen in Atlanta

Nehmen wir Atlanta, einen der WM-Spielorte. Die Zehn-Tage-Prognose zeigt Höchstwerte zwischen 29 und 33 Grad – und vor allem reichlich Regen und Gewitter, heute mit 90 Prozent Wahrscheinlichkeit. Ähnlich das Bild in Kansas City: Höchstwerte rund um 33 Grad, danach fällt die Kurve auf milde 24 bis 25 Grad ab. In New York wird es zur Stunde gerade einmal 14 Grad, gefühlt 10 – von „Extrem-Hitze“ keine Spur.

Screenshot des iPhone-Wetters am 9. Juni 2026 um 10:55 Uhr.
Screenshot des iPhone-Wetters am 9. Juni 2026 um 10:55 Uhr.

Selbst das vermeintlich heißeste Pflaster, Dallas in Texas, kommt über Höchstwerte von 33 bis 35 Grad nicht hinaus. Für texanische Sommerverhältnisse ist das schlicht: normal. Wer schon einmal im Juni in Dallas oder Houston war, weiß: Diese Temperaturen sind dort seit jeher Alltag – lange bevor irgendein Klimasekretariat eine Konferenz einberufen hat.

Der verschwiegene Faktor: El Niño

Besonders pikant: Sollte es im Turnierverlauf tatsächlich heiß werden, gäbe es dafür eine ganz natürliche Erklärung, die in der UNO-Warnung mit keinem Wort vorkommt – das Wetterphänomen El Niño. Dabei hatte dieselbe UNO den El Niño noch vor wenigen Tagen prominent ins Spiel gebracht: UN-Generalsekretär António Guterres sprach laut „Frankfurter Rundschau“ davon, El-Niño-Bedingungen würden „Öl in das Feuer der globalen Erwärmung“ gießen.

Mal Kronzeuge, mal unerwünscht – je nachdem, was gerade in die Erzählung passt. Wie der exxpress bereits in der Vorwoche berichtete, mahnen seriöse Fachinstanzen ohnehin zur Zurückhaltung: Die Weltwetterorganisation WMO räumt selbst ein, dass über die Spitzenstärke des Ereignisses weiterhin Unsicherheit besteht. Und nach Angaben der US-Klimaforschungsplattform Climate.gov ist der Einfluss von El Niño im Nordsommer ohnehin deutlich schwächer als im Winter – eine saubere Zuordnung der WM-Hitze zu Klimawandel oder El Niño ist damit gar nicht möglich.

Das Timing verrät die Absicht

Auffällig ist auch der Zeitpunkt der Warnung. Sie kam kaum zufällig sein, sondern wird zum Auftakt der zehntägigen UN-Klimakonferenz im deutschen Bonn publik – flankiert von einer Videobotschaft von UN-Klimachef Simon Stiell, der darin Kohle, Öl und Gas an den Pranger stellt. Das größte Sportereignis der Welt als Bühne für die eigene Klimabotschaft.

Dass die FIFA bei einzelnen heißen Partien Trinkpausen, Kühlhandtücher und frühere Auswechslungen vorsieht, ist sinnvoll und längst Praxis im Profisport. Nur: Aus ein paar warmen Sommertagen in Texas eine globale Klimakatastrophe zu basteln, hat mit nüchterner Berichterstattung wenig zu tun.