Horror-Zugunglück in Spanien: Mindestens 39 Tote – viele Verletzte
Bei einem schweren Eisenbahnunfall in Andalusien im Süden Spaniens sind mindestens 39 Menschen ums Leben gekommen. Zahlreiche Verletzte wurden in Krankenhäusern behandelt. Einige von ihnen wurden schwer verletzt, wie Regionalpräsident Juanma Moreno in den frühen Morgenstunden mitteilte.
Rettungskräfte arbeiten in Andalusien in einem „Trümmerhaufen aus Metall“ – mindestens 39 Tote und zahlreiche Verletzte nach dem Zugunglück. (Symbolbild)IMAGO/Agencia EFE
Moreno schloss nicht aus, dass sich in den „Trümmerhaufen aus Metall” weitere Leichen befinden könnten. Die Rettungs- und Räumungsarbeiten würden die ganze Nacht andauern. Die Ursache war zunächst unklar.
Die Tragödie hatte sich Stunden zuvor ereignet. Gegen 19:40 Uhr war am Sonntag ein Iryo-Hochgeschwindigkeitszug der italienischen Gesellschaft Trenitalia nahe der Gemeinde Adamuz in der Provinz Córdoba mit vermutlich 300 km/h entgleist und in das benachbarte Gleis geraten, berichtete die Bahngesellschaft RENFE. Gerade zu diesem Zeitpunkt fuhr ein entgegenkommender Hochgeschwindigkeitszug von RENFE dort vorbei und wurde vom anderen Fahrzeug von den Schienen geworfen.
„Schreie, weinende Kinder, Blut“
„Der Aufprall war so heftig, dass die beiden vorderen Wagen des RENFE-Zuges aus den Gleisen geschleudert wurden“, schilderte Verkehrsminister Óscar Puente. Diese stürzten eine vier Meter hohe Böschung hinunter und wurden dabei weitgehend zerstört.
Der Iryo-Zug war mit mehr als 300 Menschen an Bord von Málaga nach Madrid unterwegs. Der in Madrid gestartete RENFE-Zug fuhr mit rund 200 Passagieren nach Huelva. Der Verkehr auf der wichtigen Strecke zwischen Madrid und Andalusien sollte mindestens bis einschließlich Montag unterbrochen bleiben. Viele Menschen, die in verschiedenen Städten von Zugausfällen aufgrund des Unfalls betroffen waren, verbrachten die Nacht in Bahnhöfen.
Im Interview des TV-Senders RTVE kämpfte eine junge Frau mit den Tränen, als sie den Alptraum beschrieb, den sie im Iryo-Unglückszug erlebte. „Es gab eine Vollbremsung, es wurde stockdunkel. Ich fiel kopfüber aus dem Sitz. Menschen und Gepäck flogen durch die Luft, es gab Schreie, weinende Kinder und Blut. Ich fühle mich, als wäre ich neu geboren.“ Ein anderer Passagier, der Journalist Salvador Jiménez, sagte: „Es war wie ein Erdbeben.“
Spanisches Königshaus spricht Beileid aus
Unter den Todesopfern befindet sich laut amtlichen Angaben einer der Lokführer. Zahlreiche Fahrgäste waren noch Stunden nach dem Unfall in den Zügen eingeschlossen. Feuerwehrleiter Paco Carmona sprach von einem sehr schwierigen Einsatz: „Es ist ein schwer zugängliches Gebiet. Das Ausmaß der Zerstörung war zudem groß. Chaos, offene Brüche. Alles andere als schön.“
Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez sicherte schnelle Hilfe zu. „Heute ist eine Nacht tiefen Schmerzes für unser Land”, schrieb er auf der Plattform X. Neben dem Königshaus in Madrid sprachen viele andere Politiker ihr Beileid aus.
Tragödie wirft Fragen auf
Die Ursache des Unfalls blieb zunächst unklar. „Das ist schon ein extrem ungewöhnlicher Unfall“, sagte Minister Puente. „Gerade Strecke, ein ziemlich neuer Zug, ein erst jüngst mit einer Investition von 700 Millionen Euro renovierter Streckenteil.“ Man müsse nun das Ergebnis der Ermittlungen abwarten.
Mehrere von den Medien befragte Experten zeigten sich ebenso erstaunt. Das Sicherheitssystem hätte einen solchen Unfall eigentlich verhindern müssen, ohne dass der Lokführer eingreift, meinte etwa der Ingenieur Jorge Trigueros.
Am frühen Morgen lagen nach amtlichen Angaben noch mehr als 70 Verletzte in insgesamt sechs Krankenhäusern. Einige von ihnen würden noch in der Nacht einer Notoperation unterzogen, sagte Regionalpräsident Moreno. Zur Identität und Herkunft der Opfer wurden zunächst keine Angaben gemacht. Die Identifizierung der Leichen solle bald aufgenommen werden, so Moreno.
Psychologische Betreuung
Das Rote Kreuz bot nicht nur den betroffenen Passagieren und Bahn-Mitarbeitern psychologische Betreuung an, sondern auch den traumatisierten Angehörigen und Freunden der Opfer, die beispielsweise im Madrider Bahnhof Atocha oder in Huelva vergeblich auf ihre Lieben gewartet hatten.
In ganz Spanien, vor allem aber in Galicien, wurden damit Erinnerungen an das Unglück vom 24. Juli 2013 wach. Damals entgleiste ein Zug mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit in einer Kurve bei Angrois, wenige Kilometer vor Santiago de Compostela, wobei 80 Menschen ums Leben kamen.
Angesichts dieser Tragödie, der Trauer und des Chaos zeigten sich viele Menschen in der 4.000-Einwohner-Gemeinde Adamuz solidarisch. Trotz der späten Stunde brachten freiwillige Helfer Decken, Arznei- und Lebensmittel ins Gemeindezentrum. Supermarktbesitzerin Rafaela machte umgehend ihren Laden auf und sagte im Gespräch mit RTVE: „Heute schläft hier niemand!”
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