Hunderte Häftlinge verschwinden: Neue Zahlen zeigen brisante Entwicklung
Eine parlamentarische Anfrage bringt neue Zahlen ans Licht: Seit Jahren verschwinden in Österreich Häftlinge aus dem System – sei es durch Ausbruch, Nichtrückkehr nach Ausgang oder Flucht während Lockerungen.
Wie „Die Presse“ berichtet, sorgt eine aktuelle Statistik aus dem Justizministerium für Aufsehen: In den vergangenen Jahren sind hunderte Häftlinge in Österreich untergetaucht – oft nach Ausgang oder gelockerten Maßnahmen.
Hunderte Fälle seit 2019
Die Zahlen gehen auf eine parlamentarische Anfrage des FPÖ-Abgeordneten Christian Lausch zurück, die von Justizministerin Anna Sporrer beantwortet wurde. Demnach sind zwischen 2019 und 2024 insgesamt 826 Insassen abgängig gewesen. Der Großteil davon entfällt auf sogenannte Nichtrückkehrer – also Personen, die nach einem Ausgang oder einer Außenbeschäftigung nicht mehr in die Haftanstalt zurückkehrten.
Allein aus nicht geschlossenen Bereichen verschwanden in diesem Zeitraum 809 Personen. Besonders auffällig: Das Jahr 2019 verzeichnete mit 220 Fällen den Höchststand, während die Zahlen in den Corona-Jahren deutlich niedriger lagen.
Corona bremste Entweichungen
Während der Pandemiejahre 2020 und 2021 gingen die Entweichungen deutlich zurück. In dieser Zeit waren auch außerhalb der Gefängnisse die Bewegungsmöglichkeiten stark eingeschränkt – ein Umstand, der sich offenbar auch auf das Verhalten von Insassen auswirkte.
Im Gegensatz dazu zeigt sich bei Ausbrüchen aus geschlossenen Einrichtungen ein anderes Bild: Insgesamt 17 Häftlinge konnten zwischen 2019 und 2024 aus gesicherten Bereichen entkommen.
Meist Nichtrückkehr nach Ausgang
Der größte Anteil der verschwundenen Insassen sind Personen, die nach einem genehmigten Ausgang nicht zurückkehrten – insgesamt rund 700 Fälle. Weitere Entweichungen ereigneten sich etwa aus Therapieeinrichtungen, bei Krankentransporten oder im Rahmen von Arbeiten außerhalb der Haft. Immer wieder sorgen gerade Fluchten während medizinischer Transporte für öffentliche Aufmerksamkeit. Auch aus Spitälern oder betreuten Einrichtungen konnten sich Insassen in Einzelfällen absetzen.
Nur wenige bleiben dauerhaft verschwunden
Ein Großteil der Flüchtigen wird früher oder später wieder gefasst – allerdings oft nicht sofort. Nur 91 Personen konnten innerhalb eines Monats wieder aufgegriffen werden. Dauerhaft untertauchen gelingt hingegen nur wenigen: Aktuell sind laut Statistik lediglich elf Personen weiterhin auf der Flucht.
Flucht selbst nicht strafbar
Bemerkenswert: Der reine Ausbruch aus der Haft ist in Österreich kein eigener Straftatbestand. Konsequenzen drohen jedoch, wenn bei der Flucht zusätzliche Delikte begangen werden – etwa Sachbeschädigung oder Gewalt. In manchen Fällen werden entflohene Häftlinge erst durch neue Straftaten wieder gefasst.
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