Im Rahmen des europäischen Forschungsprojekts „FishME“ untersuchten Wissenschaftler alpine Seen in Österreich, Italien und Frankreich. Das Ergebnis ist eindeutig: In mehr als der Hälfte der analysierten Gewässer fanden sich Fischbestände, die gezielt oder unbeabsichtigt vom Menschen eingebracht wurden. Bemerkenswert ist dabei, dass viele dieser Seen in Schutzgebieten liegen und ursprünglich fischfrei waren.

Historische Eingriffe mit langfristiger Wirkung

Die Geschichte dieser Eingriffe reicht weit zurück. Bereits im Spätmittelalter wurden in Tiroler Hochgebirgsseen wohl Fische ausgesetzt – teils aus wirtschaftlichen Motiven. Einige dieser Populationen haben sich bis heute gehalten. Ein bekanntes Beispiel ist ein hoch gelegener See in den Stubaier Alpen, in dem noch immer mehrere Hundert Forellen leben.

Moderne Motive, alte Probleme

Auch in jüngerer Zeit gelangen immer wieder Fische in hochalpine Gewässer. Gründe sind unter anderem Sportfischerei oder touristische Nutzung. Doch was für den Menschen harmlos oder sogar attraktiv erscheint, kann für das ökologische Gefüge gravierende Konsequenzen haben. Eingebrachte Fischarten verändern die Nahrungsketten, dezimieren Kleinstlebewesen und greifen indirekt auch in das Leben von Vögeln, Amphibien und Reptilien ein, die auf diese Nahrungsquellen angewiesen sind.

Bodensee: Invasive Muschelart breitet sich langsamer aus

Während die Situation in den Hochgebirgsseen Anlass zur Sorge gibt, kommen vom Dreiländereck positive Nachrichten. Die Ausbreitung der invasiven Quagga-Muschel im Bodensee hat an Tempo verloren.

In größeren Tiefen schreitet die Ausbreitung langsamer voran. Kältere Temperaturen bremsen dort die Vermehrung. Doch Entwarnung geben Forscher nicht: Erfahrungen aus anderen großen Seen zeigen, dass invasive Muschelarten langfristig auch tiefere Zonen erobern – selbst wenn dies Jahre oder Jahrzehnte dauert.