Iran-Krieg: Droht Europa jetzt eine neue Flüchtlingswelle?
Ein Krieg im Iran könnte rasch neue Fluchtbewegungen auslösen. Experten warnen, dass sich innerhalb weniger Tage eine neue Migrationskrise entwickeln könnte. Europa sollte sich daher bereits jetzt auf mögliche Szenarien vorbereiten.
Der Krieg im Iran sorgt international für wachsende Sorge vor möglichen neuen Fluchtbewegungen Richtung Europa.GETTYIMAGES/StockFrame
Der Konflikt im Iran sorgt international für wachsende Nervosität – auch mit Blick auf mögliche Fluchtbewegungen in Richtung Europa. Amy Pope, die Chefin der UN-Organisation für Migration (IOM), warnt davor, dass sich sehr schnell eine neue Migrationskrise entwickeln könnte. Im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur zog sie einen eindringlichen Vergleich mit dem Ukraine-Krieg: Damals hätten innerhalb weniger Tage Millionen Menschen ihre Heimat verlassen. Bislang seien noch keine größeren Bewegungen Richtung Europa zu beobachten, doch die Lage könne sich rasch ändern – insbesondere, wenn der Konflikt länger andauert oder die zivile Infrastruktur stärker getroffen wird.
Flucht zunächst innerhalb des Landes
Amy Pope, Chefin des IOM, beobachtet derzeit vor allem innerstaatliche Vertreibungen im Iran. Viele Menschen verlassen zunächst ihre Städte und suchen bei Angehörigen oder Bekannten Zuflucht. „Wir sehen Menschen, die innerhalb des Landes vertrieben werden. Wir beobachten, ob und wann diese Vertreibung auf andere Länder übergreifen wird“, sagte Pope. Aus früheren Konflikten im Iran wisse man, dass viele Menschen zunächst aus großen Städten fliehen und zu Familienmitgliedern gehen.
Entscheidend sei jedoch, wie sich der Krieg weiterentwickle. „Das sind einige der Auslöser, von denen wir erwarten, dass sie zu mehr Migrationsbewegungen führen werden“, erklärte die US-Amerikanerin mit Blick auf mögliche Angriffe auf die zivile Infrastruktur.
Forderung nach Notfallplänen
Angesichts möglicher Entwicklungen fordert Pope rasche Vorbereitungen. „Es ist unglaublich wichtig, mit der Ausarbeitung von Notfallplänen zu beginnen“, betonte sie. Dabei gehe es vor allem darum, welche Unterstützung Nachbarländer des Irans benötigen könnten. Staaten wie die Türkei würden im Ernstfall vermutlich die ersten größeren Flüchtlingsbewegungen aufnehmen.
Der deutsche Innenminister Alexander Dobrindt erklärte allerdings, derzeit sehe man keine zusätzlichen Fluchtbewegungen aus dem Iran in Richtung Deutschland. Auch der österreichische EU-Migrationskommissar Magnus Brunner sagte, die EU-Kommission beobachte aktuell keine größeren Bewegungen an den Außengrenzen des Irans.
Brunner verwies zudem auf Gespräche mit dem türkischen Außenminister Hakan Fidan. Dieser habe versichert, dass die Grenzen in Richtung Iran geschlossen seien und die Zusammenarbeit mit der Europäischen Union weiterhin funktioniere.
Migration als strategische Frage
Angesichts zunehmender Krisen und demografischer Veränderungen sieht Pope ein Umdenken in der Migrationspolitik als grundsätzlich notwendig an. Die Welt werde im Wettbewerb immer härter. „Die klügsten Länder sind diejenigen, die das erkennen und Strukturen schaffen, damit sich Menschen auf sichere und legale Weise bewegen können“, sagte sie. Gerade alternde Gesellschaften seien darauf angewiesen, Talente aus anderen Teilen der Welt anzuziehen.
Hochqualifizierte Menschen beobachteten genau, wie offen ein Land sei, wie stark Migration politisiert werde und ob sie dort ihren Lebensunterhalt verdienen könnten, so Pope.
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