Was in autoritären Systemen kaum vorstellbar ist, könnte im Iran Realität werden: Sicherheitskräfte, die sich nicht mehr eindeutig auf die Seite der Machthaber stellen. Ein in den sozialen Netzwerken geteiltes Video aus der Stadt Abdanan zeigt iranische Polizisten, die von einem Dach aus Demonstranten zuwinken und applaudieren. In einem Land, in dem Protest oft mit Gefängnis oder gar dem Tod endet, ist diese Szene mehr als nur ein zufälliges Bild – sie ist ein politisches Signal.

Jubel ausgerechnet von der Polizei

Das Video aus Abdanan wurde von mehreren internationalen Journalisten verbreitet. Es zeigt Polizisten, die den Demonstranten offen ihre Unterstützung bekunden. Für viele Iraner ist dies ein Moment der Hoffnung. Denn in diktatorischen Systemen gelten Polizei und Militär als die tragenden Säulen der Macht. Bröckelt ihre Loyalität, gerät das gesamte System ins Wanken.

Seit Tagen protestieren zehntausende Menschen im ganzen Land gegen den Ober-Mullah Ali Chamenei (86). Auf den Straßen hallen Sprechchöre wie „Tod dem Diktator!“ Die Proteste sind gefährlich: Seit Ende Dezember sind mindestens 29 Menschen ums Leben gekommen, darunter viele Angehörige der kurdischen Minderheit.

Angst im Machtzentrum der Mullahs

Während Chamenei öffentlich Stärke demonstriert, soll hinter den Kulissen Panik herrschen. Laut der britischen Times existiert bereits ein Notfallplan für den Ober-Mullah, der eine mögliche Flucht nach Moskau mit seinem engsten Kreis sowie die Absicherung von Vermögen im Ausland vorsieht. Dort würde er auf einen alten Verbündeten treffen: Den gestürzten syrischen Machthaber Baschar al-Assad, der mit russischer Unterstützung in Russland untergetaucht ist.

Geheimdienstquellen beschreiben Chamenei als „geistig und körperlich geschwächt sowie zunehmend paranoid“. Seine Sicherheitskräfte gelten zwar als loyal, sollen jedoch verunsichert sein und nicht mehr uneingeschränkt bereit sein, das Regime um jeden Preis zu verteidigen.

International isoliert, militärisch geschwächt

Die aktuellen Proteste verdeutlichen die zunehmende Isolation der islamischen Führung. Nach dem Krieg gegen Israel und einem Angriff des Mossad auf die Revolutionsgarden gilt die militärische Macht Teherans als stark geschwächt. International ist die Unterstützung für das Regime gering.

Auch die USA beobachten die Lage genau. US-Präsident Donald Trump drohte öffentlich damit, im Ernstfall direkt einzugreifen. Aus Europa hingegen kommen bislang kaum Reaktionen. Diese Zurückhaltung stößt bei oppositionellen Kräften auf Kritik. Hiwa Bahrami von der Demokratischen Partei Kurdistan (PDKI) fragte daher: „Wie viel Blut muss im Iran noch fließen, bis der Westen reagiert?”