Lowkey, bürgerlich Kareem Dennis, britischer Rapper mit irakischen Wurzeln, politischer Aktivist – und bekennender Muslim – erklärte in der Sendung „Piers Morgan Uncensored“: „‚Grooming Gangs‘ ist ein Medienbegriff, der benutzt wurde, um eine islamfeindliche Weltsicht zu fördern.“ Schließlich sei das „keine strafrechtliche Kategorie. Menschen werden nicht wegen ‚Grooming Gangs‘ verurteilt.“ Und weiter: „Das ist ein Medienterm.“

Der Begriff „Grooming-Gangs“ bezeichnet organisierte Gruppen von Männern, die über Jahre hinweg gezielt das Vertrauen junger Mädchen erschleichen und sie anschließend systematisch sexuell ausbeuten. Er steht im Zusammenhang mit einem der größten Missbrauchsskandale Großbritanniens rund um pakistanisch-stämmige Gangs. Lowkey deutet die Bezeichnung jedoch als politisch aufgeladenes Etikett, das vor allem dazu diene, Vorurteile gegenüber Muslimen zu verstärken. Dass er diese Linse wählt, überrascht nicht: Der Rapper – Sohn einer irakischen Mutter und eines britischen Vaters – äußerte sich in der Vergangenheit immer wieder zu Irakkrieg, Palästina, Antirassismus und antimuslimischer Diskriminierung und verweist in Interviews regelmäßig auf seine muslimische Identität.

Morgans sofortige Reaktion

TV-Moderator Piers Morgan reagierte umgehend: „Moment. Es war eine kriminelle Aktivität.“ Er sprach von „der Vergewaltigung und dem Missbrauch tausender junger, überwiegend weißer englischer Mädchen durch Gruppen überwiegend britisch-pakistanischer muslimischer Männer.“ Morgan nannte das „eine nationale Schande.“ Und er setzte nach: „Der Versuch, zu erklären, dass ‚Grooming Gangs‘ keine kriminelle Aktivität sei, ist unehrlich.“

Lowkey konterte, er relativiere keine Verbrechen – es gehe ihm darum, dass „Grooming Gangs“ kein juristischer Straftatbestand sei. Gerade deshalb sei der Begriff aus seiner Sicht ein Medienlabel, das muslimische Communities kollektiv in Haftung nehme.

Der Missbrauchsskandal lässt in Großbritannien zurzeit die Wogen hochgehen. YouTube/Piers Morgan Uncensored/Screenshot

Worum es bei den Grooming-Gangs-Skandalen geht

In mehreren britischen Städten – darunter Rotherham, Rochdale, Telford und Huddersfield – wurden über Jahre hinweg minderjährige Mädchen systematisch manipuliert, isoliert, unter Druck gesetzt und sexuell missbraucht. In Rotherham allein wurden laut offizieller Untersuchung rund 1.400 Kinder zwischen 1997 und 2013 Opfer organisierter Ausbeutung.

In vielen der bekannt gewordenen Fälle handelte es sich bei den Tätern überwiegend um Männer britisch-pakistanischer Herkunft, vielfach muslimischen Glaubens. Sie agierten in Gruppen, bauten gezielt Vertrauen zu den Mädchen auf, versorgten sie mit Alkohol oder Geschenken, schufen Abhängigkeiten – und missbrauchten sie wiederholt. Zahlreiche Täter wurden wegen Vergewaltigung, sexueller Ausbeutung und Menschenhandel zu langen Haftstrafen verurteilt.

„Das war genau das, was passiert ist“

Morgan blieb hart und verteidigte die Bezeichnung: „Sie hatten Banden von Männern, die junge Mädchen systematisch ‚groomten‘, um sie zu missbrauchen. Genau das ist passiert.“ Er erinnert auch an das Behördenversagen: „Es wurde vertuscht. Das war eine nationale Schande. Und es bleibt eine nationale Schande.“ Für ihn dürfe man reale organisierte Täterstrukturen nicht zu einer bloßen Sprachdebatte verkürzen.

Netz reagiert empört

Auf der Plattform X überwogen kritische Reaktionen auf den Rapper. Ein Nutzer schrieb: „Absolut widerwärtig.“ Ein anderer: „Er kann seine ‚Brüder‘ nicht einmal klar verurteilen und gibt lieber den Opfern die Schuld.“

Einzelne verteidigten Lowkey und argumentierten, der Begriff werde selektiv für nicht-weiße Tätergruppen verwendet und sei politisch aufgeladen.