Jurist Flatz warnt: „Wertesystem und Rechtssystem werden ausgehebelt“
Milde Urteile nach brutaler Jugendbandengewalt sorgen für Kritik: Trotz Verurteilungen bleiben Täter oft auf freiem Fuß – und werfen Fragen nach der Wirkung des Strafrechts auf.
In exxpress live wurde am Montag intensiv über staatliche Eingriffe und deren rechtliche Grenzen diskutiert. Mit dabei: exxpress-Herausgeberin Eva Schütz, Jugendforscher Bernhard Heinzlmaier und Rechtsanwalt Sascha Flatz. Vor allem Flatz warnte eindringlich vor einer Entwicklung, die das Fundament des Rechtsstaats ins Wanken bringen könnte.
„Ausnahmen werden plötzlich zur Regel“
Für Sascha Flatz ist die Lage klar: Der Staat dehne seine Befugnisse zunehmend aus – oft unter dem Deckmantel der Notwendigkeit. Was ursprünglich als Ausnahme gedacht sei, werde immer öfter zur neuen Normalität.
Sinngemäß kritisierte der Anwalt, dass grundlegende Prinzipien wie Verhältnismäßigkeit und Rechtssicherheit zunehmend unter Druck geraten. Wenn Eingriffe nicht mehr sauber begründet und kontrolliert würden, verliere der Rechtsstaat seine Stabilität.
Eva Schütz griff diese Warnung auf und stellte die politische Dimension in den Raum: Die eigentliche Brisanz dieser Entwicklung werde in der öffentlichen Debatte oft verdrängt. Statt über langfristige Folgen zu sprechen, dominiere kurzfristiges Krisenmanagement.
Bernhard Heinzlmaier ergänzte, dass viele Menschen – insbesondere Jüngere – diese Verschiebung kaum mehr hinterfragen. Eingriffe würden akzeptiert, weil sie als „normal“ wahrgenommen werden.
Sicherheit als Argument – Freiheit als Preis
Doch genau hier liegt für Flatz das Kernproblem: Sicherheit dürfe nicht zur pauschalen Rechtfertigung werden. Ein funktionierender Rechtsstaat müsse gerade in Krisenzeiten zeigen, dass er seine eigenen Regeln einhält. Sinngemäß stellte er klar: Wer immer weiter an den Grenzen rüttele, riskiere, dass sie irgendwann ganz verschwinden.
Schütz betonte, dass diese Entwicklung politisch brandgefährlich sei. Denn die entscheidende Frage bleibe: Wer definiert, wann ein Eingriff gerechtfertigt ist – und wer kontrolliert diese Macht? Heinzlmaier sah darin auch eine gesellschaftliche Schieflage: Eine Kultur, die Sicherheit über Freiheit stellt, verliere langfristig ihre demokratische Widerstandskraft.
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