Kampf gegen Mobbing: Vorarlberg setzt auf Sozialarbeit an Schulen
Konflikte, Ausgrenzung und psychischer Druck gehören für viele Kinder und Jugendliche leider zum Schulalltag. Mobbing kann tiefe Spuren hinterlassen – oft lange bevor Lehrer überhaupt bemerken, was in der Klasse geschieht.
Um solche Situationen früher zu erkennen und gezielter zu lösen, will Vorarlberg künftig stärker auf professionelle Unterstützung setzen: Nach aktuellen Plänen soll ab Herbst an jeder Pflichtschule im Bundesland ein Schulsozialarbeiter tätig sein.
Früherkennung statt Eskalation
Schulsozialarbeit kann Mobbing nicht grundsätzlich verhindern. Dennoch gilt sie als wichtiger Baustein, um Konflikte schneller zu identifizieren und gezielt einzugreifen, so das Argument. Sozialarbeiter stehen Lehrern und Schülern als Ansprechpartner zur Verfügung und können Situationen einschätzen, die im normalen Unterrichtsbetrieb oft verborgen bleiben.
Vor allem die frühe Intervention spielt dabei eine zentrale Rolle. Je früher Spannungen innerhalb einer Klasse wahrgenommen werden, desto größer ist die Chance, dass sich Konflikte entschärfen lassen, bevor sie sich zu systematischem Mobbing entwickeln.
Workshops sollen Konfliktkompetenz stärken
Neben der individuellen Beratung setzen Schulsozialarbeiter auch auf präventive Programme. In Workshops sollen Kinder und Jugendliche lernen, Konflikte besser zu erkennen, Grenzen zu respektieren und sich im Streitfall angemessen zu verhalten.
Eine solche Einheit leitete kürzlich Sozialarbeiterin Florine Boss in einer dritten Klasse der Volksschule Bregenz Schendlingen. Aus ihrer Sicht ist es wichtig, bereits mit jüngeren Kindern über Konflikte zu sprechen.
„Ich glaube, dass es in der dritten Klasse nicht zu früh ist. Wir haben Konflikte, die auch schon in jüngeren Klassen stattfinden“, erklärte Boss im Gespräch mit dem ORF.
Durch Rollenspiele und Diskussionen sollen Schüler lernen, ihr Verhalten zu reflektieren und soziale Dynamiken in der Gruppe besser zu verstehen.
Die Dynamik innerhalb der Klasse verstehen
Ein wichtiger Bestandteil dieser Arbeit ist es letztlich, die unterschiedlichen Rollen innerhalb eines Mobbinggeschehens sichtbar zu machen. Häufig besteht ein solcher Konflikt nicht nur aus Täter und Opfer. Auch Mitschüler, die das Verhalten unterstützen, wegsehen oder aktiv helfen, spielen eine entscheidende Rolle.
Meldungen über Konflikte an Schulen
Das Mobbing durchaus ein ernstzunehmendes Problem ist, wird an den aktuellen Zahlen deutlich. Fälle von Konflikten oder mutmaßlichem Mobbing werden in Vorarlberg häufig an die Koordinationsstelle Mobbing der Bildungsdirektion gemeldet. Dort gingen im vergangenen Schuljahr insgesamt 96 Anfragen ein.
Die meisten Meldungen betrafen Mittelschulen mit 44 Fällen, gefolgt von Volksschulen mit 24 Anfragen. Nach genauer Prüfung wurden 14 Fälle tatsächlich als Mobbing eingestuft.
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