Kokain-Welle rollt über Österreich
Eine neue Analyse Abwasseranalyse des Instituts für Gerichtliche Medizin (GMI) der Medizin Uni Innsbruck liefert jetzt brisante Einblicke in den heimlichen Drogenkonsum im Land – mit klaren Trends nach oben. Die Auswertung zeigt: Österreich bleibt zwar im europäischen Mittelfeld, doch vor allem Kokain ist stark im Vormarsch. Cannabis bleibt weiterhin die meistkonsumierte illegale Droge.
Zur Analyse wurden im Frühjahr und Frühsommer 18 Kläranlagen herangezogen, in die das Abwasser von rund 190 Gemeinden fließt. Damit wurden fast 40 Prozent der Gesamtbevölkerung erreicht. Mit Wien, Graz, Salzburg und Innsbruck wurden auch größere Städte untersucht, dort wurden die größten Drogenmengen im Abwasser beobachtet, hieß es in einer Aussendung.
Plus beim Konsum aufputschender Drogen
“Eine Einwohnerin bzw. ein Einwohner aus einer der 18 untersuchten Regionen in Österreich trinkt im Schnitt täglich ein Glas Wein, raucht drei bis vier Zigaretten und konsumiert 0,07 Joints sowie rund zwei Milligramm an aufputschenden Drogen“, berichtete Studienautor Herbert Oberacher. Der Befund des Vorjahres las sich indes ähnlich, lediglich die Menge an aufputschenden Drogen änderte sich nun: 2024 waren es noch 1,5 Milligramm.
Untersucht wurden die Suchtgifte THC (Cannabis), Kokain, Amphetamin (Wirkstoff in Speed), MDMA (Wirkstoff in Ecstasy) und Methamphetamin (Wirkstoff in Crystal Meth), Ketamin sowie Alkohol und Nikotin. Ketamin wurde erstmals mit in die Analyse genommen, sollte jedoch wegen seiner medizinischen Verwendung für die Narkoseeinleitung mit Vorsicht behandelt werden, hieß es. Während der Konsum von Alkohol und Nikotin in ganz Österreich relativ ähnlich liegt, zeigte sich bei den illegalen Drogen ein anderes Bild. So war der Cannabis-Konsum im urbanen Raum höher als in ländlichen Gegenden, am höchsten war er in Wien.
Pro-Kopf-Verbrauch von Kokain im Westen höher
Unter den Stimulanzien war Kokain die am häufigsten vorkommende Droge. “Wie in ganz Europa wurde auch in Österreich im Durchschnitt ein Anstieg von rund 20 Prozent beobachtet”, sagte Oberacher zur APA. Kokain sei indes die einzige Droge, bei der – mit Ausnahme einer “kleinen Delle während der Corona-Pandemie” – in den vergangenen Jahren ein stetiges Plus verzeichnet worden war. In Westösterreich ist der Pro-Kopf-Verbrauch hier höher als im Osten. Hotspot war erneut die Bezirkshauptstadt Kufstein. Der Wissenschafter merkte indes an, dass es sich nicht um Mengen in absoluten Zahlen handle und die Analyse stets eine “Momentaufnahme” darstelle.
In Ostösterreich war dagegen der Konsum von Amphetamin und Methamphetamin höher als im Westen. Bei ersterer Substanz wurden die größten Pro-Kopf-Konsummengen in Guntramsdorf (Niederösterreich) und Ried im Innkreis (Oberösterreich) nachgewiesen, bei letzterer führen Wien und Wiener Neustadt. MDMA dürfte auch in urbanen Regionen beliebter zu sein. Ebenfalls in der Analyse berücksichtigt wurde eine Kläranlage in Südtirol. Dort scheint der Drogenkonsum insgesamt niedriger als in Österreich zu sein, dies zeige auch ein Vergleich von Innsbruck und Bozen. “Bis auf Kokain war in Bozen der Pro-Kopf-Verbrauch der untersuchten Substanzen geringer als in Innsbruck”, stellte die Medizinische Universität fest.
Häufigster Drogenkonsum am Wochenende
Insgesamt stellten sich damit die Ergebnisse – bis auf Kokain – recht ähnlich dar wie in den Jahren zuvor. Für Oberacher waren sie nicht besonders überraschend. Auch bezüglich des Zeitpunkts des Konsums war man im Vorjahr zum gleichen Schluss gekommen. In vielen Regionen wurden nämlich an den Wochenenden höhere Alkohol-, Kokain- und MDMA-Umsätze als an Wochenenden festgestellt. Dies spreche für deren Verwendung als “Partydrogen”.
Der Drogenbericht SCORE wird von der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht jährlich veröffentlicht. Seit 2016 liefert das forensisch toxikologische Labor am Institut für Gerichtliche Medizin der Medizinischen Universität Innsbruck die Analyse für Österreich. Österreich lieferte im Jahr 2025 14 Prozent aller Europäischen Datensätze. Für die jährliche Studie wurden eine Woche lang jeden Tag Proben vom Zufluss der Kläranlagen entnommen und mit analytisch-chemischen Verfahren analysiert.
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