Kratom-Plakate in Wien: Legale Substanz wirkt wie Morphin
Mitten in Wien wird für ein Pulver geworben, dessen Wirkstoffe ähnlich wie Morphin im Gehirn andocken. Kratom ist legal, wirkt jedoch an denselben Stellen im Gehirn wie Opiate. Eine Betroffene warnt: „Man rutscht schneller rein, als man denkt.“
Während harte Drogen verboten sind und selbst Tabakwerbung untersagt ist, hängen in Wien großflächige Plakate für eine psychoaktive Substanz. Rabattcodes inklusive. Der Name dieser Substanz lautet Kratom. Die Diskussion darüber, wie harmlos dieses Produkt wirklich ist, wird zunehmend schärfer, wie die Heute berichtete.
Wirkt wie ein Opiat – und wird offen beworben
Große Werbeflächen, klare Sprüche, ein offensiv angepriesenes Produkt. Beworben wird ein Pulver, dessen Inhaltsstoffe im Gehirn an sogenannten „Opioid-Rezeptoren“ wirken. Diese spielen auch bei starken Schmerzmitteln und klassischen Drogen eine zentrale Rolle. Wer das Pulver regelmäßig konsumiert, kann abhängig werden.
Gerade das sorgt für Kritik. Während harte Drogen streng verboten sind und Tabakwerbung längst aus dem öffentlichen Raum verschwunden ist, wird Kratom mitten in der Stadt vermarktet. Die Substanz gilt in Österreich derzeit als legal und fällt nicht unter das Suchtmittelgesetz, obwohl sie eine ähnliche Wirkung wie Opiate hervorruft.
Kratom wird aus den Blättern eines südostasiatischen Baumes gewonnen. In kleinen Mengen wirkt es anregend, in höheren Dosen beruhigend und schmerzstillend. Diese Effekte hängen mit dem Einfluss auf das Opioid-System im Gehirn zusammen, genau jener Mechanismus, der auch bei klassischen Opioiden eine Rolle spielt.
„Irgendwann brauchst du es jeden Tag“
Wie schnell vermeintliche Harmlosigkeit in Abhängigkeit umschlagen kann, schildert eine 25-Jährige gegenüber Heute. Sie war früher opioidsüchtig und sieht Parallelen. „Am Anfang glaubst du, es ist harmlos“, sagt sie. „Du denkst, du hast alles im Griff.“
Doch der Konsum habe sich schleichend gesteigert. „Irgendwann brauchst du es jeden Tag.“ Die gleiche Menge habe nicht mehr ausgereicht. „Du nimmst mehr, nur um dich normal zu fühlen.“ Besonders eindringlich warnt sie: „Man rutscht schneller rein, als man denkt.“
Ihre Aussagen beschreiben einen typischen Verlauf: Steigende Dosis, Gewöhnungseffekt, wachsendes Verlangen. Auch wenn Kratom rechtlich anders behandelt wird als klassische Opiate, berichten Konsumenten von ähnlichen Mechanismen.
Wenn der Entzug einsetzt
Wie stark ein Entzug ausfällt, hängt von mehreren Faktoren ab, darunter von der konsumierten Menge, der Dauer des Konsums, dem Alter und dem Gesundheitszustand. Erfahrungsgemäß sind die Beschwerden bei Kratom meist schwächer als bei anderen Opioiden, dennoch können sie belastend sein und mehrere Tage anhalten.
Der Hauptteil des Entzugs kann etwa drei Tage dauern. In dieser Phase sind starkes Schwitzen, insbesondere nachts, Frösteln, Übelkeit, Muskel- und Gelenkschmerzen, ein schneller Puls, ein erhöhter Blutdruck oder Durchfall möglich. Hinzu kommen können psychische Symptome wie Angst, innere Unruhe, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, depressive Verstimmungen und ein starkes Verlangen nach dem Stoff. Ab dem vierten Tag beginnt in der Regel eine Erholungsphase, auch wenn Erschöpfung und leichte Beschwerden noch anhalten können.
„Coco Taxi“ – provokante Anspielung?
Die Gestaltung der Werbung gibt der Debatte zusätzliche Brisanz. Auf einem Plakat ist der Schriftzug „Coco Taxi“ zu sehen, der durchgestrichen und mit einem grünen Blatt ergänzt wurde. Der Name erinnert an das sogenannte „Kokstaxi“, gegen das Ermittler vor einiger Zeit vorgegangen sind.
Ob es sich dabei um eine humoristische Anspielung oder eine bewusste Provokation handelt, ist unklar. Kritiker halten es jedoch für bedenklich, mit Begriffen zu spielen, die in der Öffentlichkeit mit Drogenhandel in Verbindung gebracht werden. Die Werbung bewegt sich damit bewusst nah an einer bekannten Drogenthematik – wenn auch offenbar ironisch gebrochen.
Offiziell wird Kratom meist als „Räucherware“ oder „Aromaprodukt“ verkauft und ist nicht zur Einnahme bestimmt. In vielen CBD- und Kräutershops wird es jedoch mit Sortenbezeichnungen und Wirkungsbeschreibungen präsentiert. Dadurch entsteht für Kritiker der Eindruck eines klaren Konsumprodukts und einer rechtlichen Grauzone.
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