In exxpress live wurde am Montag nicht nur über innenpolitische Baustellen gesprochen. Neben Eva Schütz und Ralph Schöllhammer analysierte später auch exxpress-Redakteur Stefan Beig die internationale Lage – mit Fokus auf das iranische Regime und mögliche Folgen für Europa.

Gesundheitssystem am Limit

Zu Beginn der Diskussion rückte das österreichische Gesundheitssystem in den Fokus. Der Streit zwischen Wien und Niederösterreich über Spitalskosten sei, so die Analyse in der Runde, nur ein sichtbares Symptom eines strukturellen Problems. Überfüllte Ambulanzen, lange Wartezeiten und Milliardenlöcher zeigen, dass das System unter Dauerbelastung steht.

Eva Schütz kritisierte, dass politische Antworten oft dort enden, wo es unbequem wird. Statt grundlegender Reformen dominierten Notlösungen und Kompetenzstreitigkeiten. Das Ergebnis sei ein System, das immer teurer werde, aber immer weniger leisten könne.

Iran: Regime unter Druck, Folgen für Europa

Im zweiten Teil der Sendung verlagerte sich der Blick nach außen. exxpress-Redakteur Stefan Beig zeichnete ein zugespitztes Bild der Lage im Iran. Das Regime stehe gleichzeitig unter innenpolitischem Druck, internationaler Isolation und wirtschaftlicher Schwächung. Proteste, Machtkämpfe und eine zunehmend aggressive Außenpolitik deuteten darauf hin, dass sich die Führung in Teheran in einer defensiven Phase befinde.

Beig machte deutlich, dass ein möglicher Umbruch weit über die Region hinausreichen würde. Der Iran sei kein Randthema, sondern ein geopolitischer Faktor mit direkten Auswirkungen auf Europa – von Energiefragen bis zu neuen Migrationsbewegungen.

Der Politikwissenschaftler Ralph Schöllhammer ordnete die Entwicklungen nüchtern ein und warnte vor falschen Erwartungen. Das Kopftuch sei im Iran kein kulturelles Symbol, sondern ein Machtinstrument des Staates. Genau dort habe auch der Widerstand begonnen. Gleichzeitig sei Vorsicht geboten: Regimewechsel ließen sich nicht von außen erzwingen. Die Beispiele Afghanistan und Irak zeigten, wie schnell westliche Interventionsfantasien scheitern.

Schöllhammer betonte, dass der Westen seine eigenen Wertvorstellungen oft überschätze. Gesellschaften änderten sich nicht durch Appelle oder Sanktionen allein, sondern nur dann, wenn im Inneren tragfähige Strukturen entstünden. Ein möglicher Zusammenbruch des iranischen Regimes wäre daher kein moralischer Sieg, sondern ein geopolitisches Risiko, auf das Europa strategisch vorbereitet sein müsse.

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