Kritik an Schulessen in Österreich: Nur jede dritte Volksschule zertifiziert
Fast jede Volksschule in Österreich (97 Prozent) setzt Aktivitäten zur Förderung der gesunden Ernährung, doch nur 29 Prozent können für ihren Mittagstisch eine Auszeichnung für kindgerechtes Essen nachweisen. Das zeigt eine repräsentative Studie unter Schulleitenden, die vom vorsorgemedizinischen Institut SIPCAN mit Unterstützung des Kinderverpflegungsspezialisten Goldmenü durchgeführt worden ist.
Besonders viel Wert wird etwa auf vegetarische Angebote gesetzt (96 Prozent) sowie auf eine regionale (89) bzw. saisonale Küche (87). 86 Prozent der Schulen berücksichtigen Lebensmittelunverträglichkeiten und Allergien, 79 Prozent religionsspezifische Speisevorschriften. In der Praxis wird dieser Anspruch an gesunde Ernährung jedoch oft nur zum Teil umgesetzt, hieß es in einer Aussendung am Mittwoch. “Tatsächlich erfüllen Speisepläne in Schulen oft nur bedingt den Standard für kindgerechte Ernährung – und dies, obwohl Schulen eine gesundheitsfördernde Lebenswelt sein sollten”, wurde Manuel Schätzer, Studienleiter und Ernährungswissenschaftler bei SIPCAN, zitiert.
Versteckter Zucker
So bieten Schulen beispielsweise Leitungswasser zum Mittagessen an, aber bei jeder dritten Schule (33 Prozent) stehe daneben aber noch ein Krug mit Verdünnsaft bzw. Sirup. Eine Ausnahme sei hier Wien, wo neben Wasser nur Milch bzw. Milchgetränke angeboten würden. Sirup bzw. Verdünnsaft seien jedoch besonders in Kärnten (75) sowie Steiermark und Oberösterreich (jeweils 44) eine Option. “Sirupe schmecken vielen Kindern gut, enthalten aber bis zu 75 Prozent Zucker, ohne als derartig ‘süß’ wahrgenommen zu werden. Dabei enthält ein Glas Sirup-Getränk beinahe so viele Zuckerwürfel wie eine klassische Limonade”, kritisierte Schätzer.
Auch die Zertifizierung für kindgerechtes Essen wurde abgefragt. Dabei kam heraus, dass 37 Prozent der befragten Schulleiter nicht wisse, ob ihre Schule über eine solche verfügt. Von den 63 Prozent, die diese Frage beantworten konnten, gaben 29 Prozent der Volksschulen an, zertifiziert zu sein. “Ohne den Spitzenreiter Oberösterreich mit einer Zertifizierungsrate von 72 Prozent würde dieser Wert deutlich niedriger ausfallen. In Kärnten, Salzburg und Tirol konnte keine einzige Volksschuldirektion eine Zertifizierung bestätigen”, resümierte SIPCAN.
Für die Studie wurden telefonisch 351 Interviews mit Volksschuldirektoren mit einem standardisierten Fragebogen geführt. Unterstützt wurde SIPCAN vom Caterer Menü-Manufaktur, der unter der Marke Goldmenü rund 300 Kindergärten, Horte und Schulen beliefert. Laut Schätzer ist die Studie aber ohne jegliche Einflussnahme des Unternehmens entstanden.
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