In „exxpress live“ wurde nach dem geopolitischen Themenblock auch über mehrere innenpolitische Kontroversen diskutiert. Zu Gast waren Politikwissenschaftler Ralph Schöllhammer und Historiker Martin Kugler. Im Fokus standen die „Cancel Culture” rund um ein Wiener Denkmal, der gesellschaftliche Wandel und die Frage, ob Frauen künftig Wehrdienst leisten sollen.

800.000 Euro für ein schiefes Denkmal?

Die Debatte rund um das Carl-Lueger-Denkmal in Wien wurde besonders kontrovers geführt. Die Statue des ehemaligen Bürgermeisters soll um 3,5 Grad geneigt werden, um auf seine antisemitischen Positionen hinzuweisen. Die geschätzten Kosten von rund 800.000 Euro sorgten jedoch für Kritik.

Historiker Martin Kugler warnte davor, historische Persönlichkeiten nach heutigen Maßstäben zu verurteilen: „Es ist überhaupt ein Problem, dass man sich hier zum Richter über die Geschichte macht.“ Seiner Ansicht nach müsse man konsequent sein. Wenn problematische Aussagen ausreichen würden, müssten zahlreiche weitere Figuren ebenfalls neu bewertet werden, etwa Karl Marx.

Schöllhammer brachte zudem einen anderen Punkt ins Spiel: Das Geld wäre möglicherweise besser investiert, wenn man damit historische Bildung fördere. „Man könnte zehn Historiker bezahlen, die jungen Menschen erklären, wie diese Stadt entstanden ist.“

Wehrpflicht für Frauen? „Das Problem ist die Demografie“

Eine zweite kontroverse Diskussion drehte sich um die Wehrpflicht für Frauen.

Kugler vermutet hinter der aktuellen Debatte vor allem ein demografisches Problem: Österreich habe heute dramatisch weniger wehrfähige junge Männer als noch vor wenigen Jahrzehnten. „Wir haben jetzt weniger als die Hälfte der Wehrpflichtigen wie 1982, obwohl Österreich inzwischen fast eineinhalb Millionen mehr Einwohner hat“, erklärte der Historiker.

Für ihn ist klar: Die Forderung nach Frauen beim Bundesheer habe weniger mit Gleichberechtigung zu tun als mit Rekrutenmangel. Gleichzeitig warnte er davor, körperliche Unterschiede zu ignorieren: „Beim Rekrutieren für eine Armee zählt der Durchschnittswert – nicht der statistische Ausreißer.“

Schöllhammer sieht ebenfalls größere gesellschaftliche Entwicklungen hinter solchen Debatten. Die demografische Krise Europas und der Wandel der Arbeitswelt würden immer stärker spürbar – von sinkenden Geburtenraten bis zu Veränderungen in traditionellen Rollenbildern.

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