In den Wiener „Häusern zum Leben“, dem größten Anbieter von Seniorenbetreuung mit 30 Standorten, sorgt eine neu formulierte Hausordnung für Verwirrung und überraschend viel Humor. Seit 1. November gelten die Einrichtungen offiziell als Waffenverbotszone – und die Liste der verbotenen Gegenstände liest sich eher wie ein Inventar aus einem Actionfilm als wie Regeln für ein Pflegeheim.

Unter Punkt 10 wird, wie der Kurier berichtet, das Einbringen oder Verwahren von Waffen „oder waffenähnlichen Gegenständen“ strikt untersagt. Genannt werden Schusswaffen, Schlagstöcke, Schwerter, „diverse Messer wie Spring- oder Butterflymesser“, Tränengaswaffen, Schreckschusspistolen, Elektroschocker und sogar „fernöstliche Nahkampfgeräte“.

Zwischen Lachen und Stirnrunzeln

Bei der Präsentation der neuen Regeln löste der Katalog unter den Bewohnern eine Mischung aus Gelächter und Irritation aus. Eine Seniorin fragte prompt: „Aber meine Nordic-Walking-Stöcke darf ich schon noch behalten?“

Die eigentliche Unsicherheit liegt allerdings woanders: Viele Wohneinheiten enthalten Kochnischen – und damit automatisch auch Messer, die formal zu den verbotenen Kategorien zählen könnten. Auch praktische Alltagsgegenstände wie Taschenfeitel werfen Fragen auf. Die Bewohnerin, die die Hausordnung öffentlich machte, erinnert daran, dass „70 Prozent von uns einen Rollator haben – und etwa die Hälfte schon dement ist“.

Heimleitung rudert zurück

Einen konkreten Anlassfall für die drastisch klingenden Verbote gibt es nicht, wie die Pressestelle bestätigt. Man räumt sogar ein, möglicherweise über das Ziel hinausgeschossen zu sein:
Man werde prüfen, ob einzelne Begriffe künftig anders bzw. verständlicher formuliert werden können, um Missverständnisse zu vermeiden.

Grundsätzlich bleibe es aber dabei, dass Waffen egal welcher Art in den Einrichtungen nichts verloren hätten. Gleichzeitig versichert die Leitung, dass gesetzlich erlaubte Alltagsgegenstände weiterhin genutzt werden dürfen.

Grauzone zwischen Alltagsgegenstand und Waffe

Ganz trivial ist das Thema allerdings nicht: Selbst spitze Gegenstände wie Nagelfeilen werden von der Polizei in Waffenverbotszonen – etwa am Wiener Reumannplatz – als „gefährlich“ eingestuft und abgenommen. Die Gratwanderung zwischen Sicherheit und Alltagstauglichkeit ist daher real.

Es gilt: Aufmerksamkeit schärfen, lautstark Hilfe holen und im Zweifel die Polizei rufen. Seniorenbund-Chefin Ingrid Korosec bringt es auf den Punkt: „Seien Sie wachsam und scheuen Sie nicht davor zurück, die Polizei zu rufen, wenn Sie sich unsicher fühlen.“