Lederer und Strobl: ORF-Skandal rückt zwei Karrieren ins Rampenlicht
Der Rücktritt von Ex-ORF-General Roland Weißmann wirft neue Fragen auf. Plötzlich stehen nicht nur die Vorwürfe selbst im Mittelpunkt, sondern zwei Männer im Hintergrund: Heinz Lederer und Pius Strobl. Der eine räumt Druck ein, der andere verfügt über eine außergewöhnlich starke Machtposition im ORF. Ein Blick auf zwei Karrieren.
Nach dem Rücktritt von Roland Weißmann stehen zwei Namen im Fokus: Stiftungsratschef Heinz Lederer, der selbst einräumt, „Druck“ auf den Ex-General ausgeübt zu haben, und ORF-Topmanager Pius Strobl, dessen Macht und Verträge durch einen Führungswechsel direkt berührt sind.
Bewiesen ist nichts. Doch ein Verdacht steht im Raum: War Weißmanns Sturz nur Aufklärung – oder vielmehr ein Machtspiel im Hintergrund?
Druck, Interessen, Macht
Im Zentrum steht Heinz Lederer. Der Vorwurf: Weißmann sei nicht einfach zurückgetreten, sondern zum Rückzug gedrängt worden – noch bevor der Stiftungsrat als Ganzes entschieden habe. Genau das, so argumentiert FPÖ-Stiftungsrat Peter Westenthaler, widerspreche der Geschäftsordnung.
Brisant ist, dass Lederer selbst zugibt, Druck „im Interesse des Unternehmens“ ausgeübt zu haben. Gleichzeitig war die Nachfolgelösung verblüffend rasch parat. Der Eindruck drängt sich auf: Die Machtfrage war geklärt, bevor das Verfahren sauber abgeschlossen war.
Parallel rückt Pius Strobl in den Fokus – und zwar wegen eines handfesten Millionenstreits. Öffentlich wird über eine umstrittene Pensionsvereinbarung in Höhe von rund 2,4 Millionen Euro berichtet, die Strobl nach Auslaufen seines bis 31. Dezember 2026 laufenden Vertrags geltend machen will. Weder Weißmann noch Ingrid Thurnher wollten diese Forderung akzeptieren; Thurnher bestreitet sogar, dass die Vereinbarung überhaupt wirksam zustande gekommen sei. Strobl hält dagegen und kündigt eine Klage an. Damit ist offensichtlich: Für Strobl ist ein Machtwechsel an der ORF-Spitze auch eine Frage des eigenen Geldes. Ausverhandelt worden sein soll der Deal noch mit Ex-ORF-Chef Alexander Wrabetz.
Heinz Lederer: Der SPÖ-Kommunikator an der ORF-Spitze
Heinz Lederer ist keine neutrale Verwalterfigur, sondern ein Mann aus der politischen Kommunikationswelt. Seit den 1990er-Jahren war er im Zentrum der SPÖ tätig – zunächst als Werbechef, später als Kommunikationschef unter Bundeskanzler Viktor Klima.
Im ORF sitzt er ebenfalls auf dem Ticket der SPÖ und wurde 2025 zum Vorsitzenden des Stiftungsrats gewählt. Damit steht er an der Spitze jenes Gremiums, das den Generaldirektor bestellt, kontrolliert und strategische Entscheidungen trifft.
Vom Parteiapparat in die Beratungswelt
Nach seiner politischen Karriere wechselte Lederer in die Privatwirtschaft und baute sich als Kommunikations- und Public-Affairs-Berater auf. Seine Tätigkeit ist auch parlamentarisch dokumentiert:
– rund 400.000 Euro Honorar im Zusammenhang mit der Hypo Alpe Adria (laut eigener Aussage),
– bis zu 456.000 Euro laut Gutachten,
– Tätigkeit für die Telekom Austria über mehrere Jahre mit Tagessätzen von 2.000 bis 3.000 Euro.
Lobbying, Firmen, Einfluss
Seine Unternehmen sind im Firmenbuch und im Lobbying-Register erfasst, mit Umsätzen im sechsstelligen Bereich und mehreren Aufträgen. Lederer ist damit nicht nur ORF-Aufseher, sondern auch ein Mann des professionellen Einflussgeschäfts.
Genau das macht den Streit um einen mutmaßlichen ÖSV-Vertrag so explosiv. Denn sollte Lederer tatsächlich parallel für den Skiverband tätig gewesen sein, beträfe das ausgerechnet einen Akteur, mit dem es im ORF um prestige- und millionenschwere Sportrechte geht. Peter Westenthaler erhob diesen Vorwurf auf exxpressTV. Der Anschein eines Interessenkonflikts wäre enorm. Denn wie frei kann ein Stiftungsratschef entscheiden, wenn er sich zugleich im Umfeld eines wichtigen ORF-Geschäftspartners bewegt? Lederer ließ entsprechende exxpress-Anfragen bisher unbeantwortet – auch die Frage, warum ein solcher Vertrag dem Stiftungsrat nicht offengelegt worden sein soll.
Pius Strobl: Der Mann mit Sondervertrag
Bei Pius Strobl beginnt die Brisanz mit seiner heutigen Position. Er gehört zu den bestbezahlten Managern des ORF und verfügt über einen bis Ende 2026 laufenden, nur gegen Auszahlung kündbaren Sondervertrag.
Zusätzliche Brisanz erhält Strobls Sonderstellung durch den Streit um eine mögliche Pensionsabsicherung von rund 2,4 Millionen Euro. Dass er auf diesem Deal beharrt, obwohl er schon jetzt zu den bestbezahlten ORF-Managern zählt, macht seine Interessenlage im aktuellen ORF-Machtkampf besonders heikel.
Die politische Herkunft
Strobl begann seine Laufbahn als Bundesgeschäftsführer der Grünen. Danach wechselte er in den ORF – zunächst nicht ins Management, sondern in die Kontrolle: zuerst als Mitglied des Kuratoriums (1990–1999), später als Mitglied des Stiftungsrats (2004–2006).
Er war damit über Jahre Teil jener Gremien, die den ORF beaufsichtigen und Personalentscheidungen mitprägen.
Die Drehtür zur Macht
Der entscheidende Schritt folgte danach: Strobl wechselte selbst in die operative Führung des ORF. Von 2007 bis 2011 war er Marketing- und Kommunikationschef sowie Unternehmenssprecher. 2010 erklärte er seinen Rücktritt im Zuge der Tonband-Affäre. 2015 erfolgte die Rückkehr in zentrale Funktionen. Seit 2018 obliegt ihm die Leitung wichtiger Bereiche wie Facility Management und Großprojekte.
Diese Karriere ist bemerkenswert: vom politischen Funktionär über den Aufseher zum operativen Machtträger.
Geld, Einfluss, Projekte
Auch finanziell gehört Strobl zur Spitze: 2023 bezog er 425.677,43 Euro brutto plus Nebenbezüge, 2024 bereits 451.709,57 Euro brutto.
Dazu kommt seine zentrale Rolle bei Großprojekten wie dem Medienstandort und in Bereichen mit erheblichen Budgets. Strobl ist damit nicht nur ein Spitzenverdiener, sondern auch ein Manager mit Zugriff auf hochsensible Infrastruktur-, Bau- und Steuerungsagenden.
Warum Strobl jetzt im Fokus steht
In der aktuellen Causa geht es bei Strobl um weit mehr als bloße Nähe zur Macht. Sondervertrag, Millionen-Pensionsstreit, Spitzengehalt und jahrzehntelang gewachsene Systemmacht verdichten sich zu einer hochbrisanten Interessenlage. Wer so tief im ORF verankert ist, außergewöhnlich abgesichert und zugleich auf eine millionenschwere Pensionszusage fixiert ist, ist in einem Machtkampf an der Spitze des Hauses schwerlich nur Zuschauer.
Roland Weißmann ist weg. Doch jetzt beginnt womöglich der eigentliche Skandal. Laut seinen Rechtsvertretern wurde nach umfassender Prüfung eine Sachverhaltsdarstellung bei der Staatsanwaltschaft Wien eingebracht. Es steht der Verdacht auf strafrechtlich relevantes Verhalten mehrerer Beteiligter im Raum. Namen werden vorerst nicht genannt. Am Küniglberg drängt sich damit immer stärker ein Verdacht auf: Es geht längst nicht mehr nur um Aufklärung, sondern auch um die Frage, wer im ORF die Fäden zieht.
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