Lehrlings-Flaute in Vorarlberg: Wirtschaft verliert ihren Nachwuchs
In Vorarlberg zeichnet sich ein Trend ab, der Betriebe, Kammern und Bildungsexperten gleichermaßen beunruhigt: Die Zahl der Lehrlinge sank 2025 – und das nicht zum ersten Mal. Die aktuellen Daten zeigen, dass sich immer weniger Jugendliche für den klassischen Weg über die Lehre entscheiden, während Unternehmen gleichzeitig über Fachkräftemangel klagen.
Zum Jahresende 2025 standen in Vorarlberg noch 6.348 Jugendliche in einem aktiven Lehrverhältnis. Das sind gut 200 weniger als zwölf Monate zuvor. Damit bestätigt sich eine Entwicklung, die bereits seit mehreren Jahren zu beobachten ist. Besonders deutlich fällt der Rückgang bei den Neueintritten aus.
Der Anteil der 15-Jährigen, die sich unmittelbar nach der Pflichtschule für eine Lehre entscheiden, ist zuletzt spürbar gesunken. Während vor einem Jahr noch deutlich mehr als vier von zehn Jugendlichen diesen Weg wählten, liegt der Anteil inzwischen unter der 40-Prozent-Marke. Für die Wirtschaftskammer Vorarlberg ist das ein Alarmsignal: Der Rückgang sei nicht nur statistisch relevant, sondern habe langfristige Folgen für den Arbeitsmarkt.
Nach Einschätzung der Kammer treffen dabei zwei Faktoren aufeinander. Einerseits bremst die angespannte wirtschaftliche Lage die Personalpolitik vieler Betriebe aus, andererseits wächst der Konkurrenzdruck durch weiterführende Schulen, die für viele Jugendliche attraktiver erscheinen als eine Ausbildung im Betrieb.
Beliebte Berufe, schrumpfende Basis
Trotz sinkender Gesamtzahlen bleibt die Verteilung der Lehrlinge auf die Sparten relativ stabil. Den größten Anteil trägt weiterhin das Gewerbe und Handwerk, gefolgt von Industrie und Handel. Bei den männlichen Lehrlingen dominieren technische Berufe wie Metall-, Elektro- und Kraftfahrzeugtechnik. Bei jungen Frauen stehen kaufmännische Lehrberufe, insbesondere im Einzelhandel und Bürobereich, an der Spitze.
Ähnliche Probleme in der Steiermark
Auch außerhalb des westlichsten Bundeslands zeigt sich ein ähnliches Bild. In der Steiermark etwa ist die Zahl der Lehrlinge in den vergangenen Jahren ebenfalls stark zurückgegangen.
Auffällig ist jedoch: die Zahlen bei Meister- und Befähigungsabschlüssen steigen. Das deutet darauf hin, dass Qualifikation auf höherer Ebene durchaus gefragt ist.
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