Laut Gallup-Umfragen (Saad, 2023) identifizieren sich in den USA seit mehr als 30 Jahren mehr Menschen als konservativ denn als liberal – 36 Prozent konservativ, nur 26 Prozent liberal. An den Universitäten ist das Bild ein völlig anderes: Wie ein Forschungspapier des Politikwissenschaftlers Nathan Honeycutt (University of Arkansas / Rutgers University) zeigt, identifizieren sich 74 Prozent der amerikanischen Tenure-Professoren als liberal – nur 11 Prozent als konservativ.
Noch deutlicher: 11,4 Prozent der Professoren bezeichnen sich als „Far Left” oder „Very Liberal” – das ist mehr als die gesamte Gruppe der Konservativen zusammen.
Trend seit 50 Jahren: Immer liberaler
Der Linksdrall ist nicht neu – aber er verstärkt sich. Historische Daten der Carnegie Foundation (1969–1984) und des Higher Education Research Institute (HERI, 1989–2017) zeigen: In den 1980er Jahren lag das Verhältnis liberal zu konservativ noch bei rund 4:3. In den 2010er Jahren bereits bei 5:1. Honeycutts Auswertung für 2021/22 ergibt nun fast 7:1.

Je nach Fach teils dramatische Unterschiede
Die Aufschlüsselung nach Fachbereich zeigt große Unterschiede. In den Geisteswissenschaften bezeichnen sich laut dem Papier 87 Prozent der Professoren als liberal, nur 8 Prozent als konservativ. In den Sozialwissenschaften sind es 80 zu 8 Prozent, in den Lebenswissenschaften 79 zu 7 Prozent. Selbst in traditionell eher konservativen Bereichen dominiert inzwischen die linke Seite: In der Wirtschaft liegt das Verhältnis bei 52 zu 25 Prozent, im Ingenieurwesen bei 60 zu 17 Prozent.
Auch nach Geschlecht gibt es Unterschiede: 83 Prozent der Professorinnen identifizieren sich laut dem Papier als liberal, bei den männlichen Kollegen sind es 70 Prozent. Konservativ bezeichnen sich 6 Prozent der Frauen und 13 Prozent der Männer – beide Gruppen damit klar im liberalen Spektrum.

Junge Professoren noch homogener
Besonders auffällig: Unter den Assistant Professors – also den jüngsten Karrierestufen – ist der konservative Anteil mit 9 Prozent am niedrigsten. Bei Full Professors und Distinguished Professors liegt er bei 11 Prozent. Honeycutt wertet das als mögliches Vorzeichen für eine noch stärkere ideologische Homogenisierung in den kommenden Jahren.
40 Prozent nennen sich „radikal" oder „sozialistisch"
In einer Teilerhebung mit 1.485 Professoren wurden auch Extremlabels abgefragt. Das Ergebnis laut dem Papier: 40 Prozent identifizieren sich mit mindestens einem der Labels „radikal”, „Aktivist”, „Marxist” oder „Sozialist” – 4 Prozent mit allen vier gleichzeitig. Im Vergleich zu einer Erhebung von Gross & Simmons aus dem Jahr 2006 sind die Werte deutlich gestiegen: Der Anteil der Marxisten stieg von 3 auf 8 Prozent, jener der Radikalen von 11 auf 17 Prozent, der Aktivisten von 14 auf 22 Prozent. Sozialisten wurden 2006 nicht erhoben – 2022 bezeichnen sich 26 Prozent so.
Nach Fachbereich zeigen sich auch hier große Unterschiede: In den Geisteswissenschaften wählen 54 Prozent mindestens ein solches Label, in der Bildungswissenschaft 46 Prozent, in den Sozialwissenschaften 44 Prozent. Am niedrigsten sind die Werte im Ingenieurwesen (21 Prozent) und der Wirtschaft (23 Prozent).
Honeycutt warnt vor Gruppendenken
Der Forscher warnt in dem Papier: Ohne konservative Gegenstimmen an Universitäten fehle ein natürliches Korrektiv gegen Bestätigungsfehler und Gruppendenken. Minderheitenmeinungen – so Honeycutt unter Verweis auf Forschung zu Minderheiteneinfluss (Nemeth, 2012) – könnten Mehrheiten zu tieferem Nachdenken anregen und zu robusteren Ergebnissen führen. Fehlen sie, drohe die Hochschullandschaft zunehmend im Widerspruch zur Gesellschaft zu stehen, der sie dienen soll.

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