Jahrzehntelang galt Knightsbridge als Inbegriff von Reichtum, Sicherheit und Luxus. Heute berichten Anwohner jedoch von Macheten-Räubern, Ram-Raids und einem Klima der Angst. Während Luxusläden überfallen werden, brechen die Immobilienpreise ein und die Superreichen verlassen das Land. Eine explosive Mischung aus Straßenkriminalität und politischer Steuerkeule verändert eines der exklusivsten Viertel Europas somit grundlegend, so die Daily Mail.

Rolex-Raub am Vormittag: Gewalt mitten im Luxus

Der jüngste Schock ereignete sich am Dienstagvormittag kurz vor 11 Uhr, als eine Rolex-Boutique in Knightsbridge von mit Helmen und Macheten bewaffneten Tätern gestürmt wurde. Die Räuber bedrohten die Kunden, zerschlugen Vitrinen und entkamen nach dem rund drei Minuten dauernden Überfall auf Mopeds, die bereitstanden.

Das Geschäft befindet sich im Erdgeschoss des 2009 von den Milliardären Nick und Christian Candy errichteten Luxuskomplexes „One Hyde Park”. Die Boutique blieb nach dem Überfall geschlossen, Absperrungen sind noch immer sichtbar. Festnahmen gab es bislang keine.

Nur wenige Wochen zuvor war auch die italienische Luxusmarke „Loro Piana” Ziel eines Raubüberfalls geworden. In der Nacht auf den 16. Dezember rammte ein Auto die Fassade des Geschäfts. Kleidungsstücke und Handtaschen wurden gestohlen; die Täter flohen unerkannt.

„Wären im East End sicherer als hier“

Ein Sicherheitsmitarbeiter eines gehobenen Restaurants, der in der Gegend lebt, beschreibt eine neue Realität: „Sie teilen sich das Gebiet auf, einige zu Fuß, viele auf Mopeds. Ich sehe hier viel davon und ehrlich gesagt wären Touristen in einigen der rauesten Gegenden des East Ends viel sicherer als in Knightsbridge.“

Auch Zuhälterbanden seien präsent. Eine reiche Gegend ziehe Kriminelle an. Es überrasche ihn nicht, dass Menschen wegziehen. Zwar zeigen offizielle Zahlen der Londoner Polizei seit Jahren eine weitgehend stabile Kriminalitätsrate, doch allein im November wurden in Knightsbridge und Belgravia rund 295 Straftaten registriert, fast ein Drittel davon rund um Harrods. Nach dem Rolex-Raub wurde die Polizeipräsenz erhöht. Gleichzeitig melden die Behörden, dass die Täter zunehmend von Mopeds auf E-Bikes umsteigen.

Messerstich, offene Wunden, offene Fragen

Die Angst sitzt tief – auch wegen tödlicher Gewalt. So wurde beispielsweise der 24-jährige Blue Stevens im Juli des vergangenen Jahres nahe dem Luxushotel „The Park Tower Knightsbridge” erstochen, nur wenige Schritte vom Rolex-Geschäft entfernt. Der Täter ist bis heute flüchtig.

Blue Stevens’ Mutter kritisierte Bürgermeister Sadiq Khan scharf, nachdem dieser sinkende Mordzahlen gelobt hatte: „Prahlt Sadiq Khan wirklich mit der Mordrate in London? Ein Mord ist schon einer zu viel. Wie können sie es verdammt noch mal wagen?” Khan habe sich nie zum Tod ihres Sohnes geäußert.

Steuern vertreiben Superreiche – Preise brechen ein

Parallel zur Sicherheitskrise rutscht der Markt für Luxusimmobilien ab. In Knightsbridge liegen die Preise laut aktuellen Zahlen 27 Prozent unter dem Vorjahr und 37 Prozent unter dem Höchststand von 2016. Derzeit beträgt der durchschnittliche Hauspreis 2,49 Millionen Pfund.

Ein zentraler Faktor ist die Steuerpolitik der Labour-Regierung. Ab 2028 sollen Immobilien, die mehr als zwei Millionen Pfund kosten, zusätzlich mit einer „Mansion Tax“ belastet werden. Zudem greift eine Reform der Erbschaftssteuer für Nicht-Domizilierte.

Trevor Abrahamson, Immobilienexperte bei Glentree Estates, findet deutliche Worte: „Die Dummheit dieser Maßnahme ist unfassbar.” Zwei seiner Kunden, Lakshmi Mittal und John Fredriksen, seien bereits nach Dubai ausgewandert.

Millionäre verlassen London – Knightsbridge leidet

Laut Henley & Partners verlor Großbritannien im Jahr 2024 mehr Millionäre als jede andere Stadt der Welt – mit Ausnahme von Moskau. 9.500 Vermögende verließen das Land innerhalb eines Jahres. Auch der Immobilienmakler Savills meldet einen deutlichen Rückgang: Verkäufe von Immobilien über fünf Millionen Pfund sanken um elf Prozent, das investierte Gesamtvolumen sogar um 18 Prozent.

Bewohner wie Monica Orion schenken den offiziellen Erfolgsmeldungen zur Kriminalität keinen Glauben mehr: „Mindestens einmal pro Woche sehe ich, wie hier Dinge aus Geschäften gestohlen werden.“ Knightsbridge ist noch immer teuer, aber offenbar nicht mehr sicher. Und für viele Superreiche ist es kein Ort mehr, an dem sie bleiben wollen.