Am Sonntag moderierte Dunja Hayali im „heute journal“ einen Beitrag über von Donald Trump angeordnete Abschiebungen in den USA an. Sie warnte in ihrer Anmoderation selbst vor manipulierten Inhalten in sozialen Netzwerken: Viele Videos seien echt, manche jedoch KI-generiert.

Im anschließenden Beitrag wurde ein dramatisches Bild gezeichnet: Brutale ICE-Einsätze, Eltern würden vor den Augen ihrer Kinder abgeführt, selbst Minderjährige vor Schulen mitgenommen. Untermalt wurde dies mit bewegenden Szenen – darunter eine weinende Frau, die von einem Beamten fixiert wird, während ein kleines Mädchen sie verzweifelt umklammert.

Das zentrale Video war KI-generiert

Wie sich später herausstellte, war genau dieses emotional aufgeladene Material künstlich erzeugt. Das Video trug ein deutlich sichtbares „Sora“-Wasserzeichen – ein Hinweis auf KI-Generierung.

Auf Nachfrage erklärte das ZDF, die Bilder hätten eigentlich als KI-generiert gekennzeichnet werden müssen. Diese Kennzeichnung sei „aus technischen Gründen“ bei der Überspielung nicht übertragen worden. Man habe den Fehler korrigiert.

Doch diese Darstellung wirft Fragen auf. Denn der Beitrag selbst suggerierte klar, dass es sich bei den gezeigten Szenen um reale Beispiele für die geschilderten Vorgänge handelte. Sowohl Hayalis Anmoderation als auch der Sprechertext formulierten die Vorwürfe gegen ICE im Aktiv – „Sie führen Eltern vor den Augen ihrer Kinder ab“ – während das KI-Video eingeblendet wurde.

Zweites Video ebenfalls falsch zugeordnet

Der Skandal verschärfte sich, als bekannt wurde: Auch ein zweiter Clip im selben Beitrag war falsch kontextualisiert.

Gezeigt wurde ein Junge, der angeblich im Rahmen eines ICE-Einsatzes vor seiner Schule abgeführt werde. Tatsächlich stammt das Video aus dem Jahr 2022 und zeigt eine polizeiliche Maßnahme nach einer Amokdrohung – kein Abschiebe-Einsatz.

Das Video kursierte zuvor im Netz mit irreführender Beschreibung. Im „heute journal“ wurde es jedoch so eingebettet, dass es die Darstellung brutaler Abschiebepraxis stützen sollte.

In der Mediathek wurde die Sequenz inzwischen entfernt, der Sprechertext angepasst und durch andere Bilder ersetzt. Nun erscheint der Hinweis, der Beitrag sei „aus redaktionellen Gründen nachträglich geändert“ worden.

ZDF-Verteidigung sorgt für neue Kritik

In einer weiteren Stellungnahme erklärte ein ZDF-Sprecher, der Beitrag habe zeigen wollen, „dass sowohl mit echten als auch mit KI-generierten Bildern ein Klima der Angst erzeugt wird“. Man bedauere, dass nicht deutlich genug geworden sei, welche Bilder real seien und welche nicht.

Diese Argumentation steht jedoch im Widerspruch zur ursprünglichen Dramaturgie des Beitrags. Weder Anmoderation noch Off-Text deuteten darauf hin, dass die gezeigten Szenen als medienkritisches Beispiel gedacht waren. Vielmehr wurden sie als Beleg für reale Vorgänge präsentiert.

Kritiker werfen dem Sender daher vor, erst nach Aufdeckung der Fehler eine neue Deutung des Beitrags zu konstruieren.

Politische Brisanz

Brisant ist der Vorgang auch, weil ZDF-Intendant Norbert Himmler im März zur Wiederwahl steht. Eine derart heikle Causa dürfte intern kaum ohne Abstimmung mit der Senderführung behandelt worden sein. Eine explizite Entschuldigung oder Richtigstellung in der folgenden Sendung blieb bislang aus. Das ursprüngliche Video wurde aus der Mediathek entfernt.