Milliarden für autonomes Fahren: Wayve steigt in Europas KI-Spitze auf
Autonome Mobilität gilt als die Schlüsseltechnologie der kommenden Dekade. Auch Europa möchte im Wettbewerb mithaten. Vor diesem Hintergrund, erhält das britische KI-Start-up Wayve nun eine milliardenschwere Finanzspritze von internationalen Investoren – darunter mehrere große Autokonzerne, wie Mercedes-Benz.
Wayve hat in einer neuen Finanzierungsrunde 1,2 Milliarden US-Dollar eingesammelt. Damit summiert sich das für die Markteinführung verfügbare Kapital nach Unternehmensangaben auf rund 1,5 Milliarden Dollar. Für ein europäisches KI-Unternehmen ist das eine bemerkenswerte Summe, nicht nur finanziell, sondern auch technologisch.
Das in Großbritannien gegründete Unternehmen entwickelt eine auf künstlicher Intelligenz basierende Software, die Fahrzeuge ohne klassische, fest programmierte Regelwerke durch den Verkehr navigieren soll. Statt starre Karten oder vorab definierte Szenarien zu nutzen, lernt das System aus realen Fahrsituationen. Ziel ist es, eine universell einsetzbare Plattform zu schaffen, die sich in unterschiedlichste Fahrzeugmodelle integrieren lässt.
Die Technologie kann sowohl für vollständig autonome Fahrzeuge als auch für hochentwickelte Fahrerassistenzsysteme lizenziert werden. Wayve verfolgt damit einen Plattformansatz: Automobilhersteller sollen die Software in ihre eigenen Modelle integrieren, ohne selbst eine komplette KI-Infrastruktur entwickeln zu müssen.
London als Testfeld für Robotertaxis
Bereits in naher Zukunft sollen in London selbstfahrende Fahrzeuge auf Basis der Wayve-Software im Straßenverkehr unterwegs sein.
Das Unternehmen hatte zuvor unter anderem einen selbstfahrenden Ford Mustang als Demonstrationsfahrzeug präsentiert. Nun geht es um den nächsten Schritt: die kommerzielle Umsetzung im urbanen Alltag. Robotertaxis gelten dabei als besonders attraktives Einsatzfeld, weil sie hohe Fahrzeugauslastung und planbare Routen mit datenintensivem Lernen kombinieren.
Strategischer Spagat bei deutschen Herstellern
Besonders bemerkenswert ist die Beteiligung von Mercedes-Benz. Sowohl der Stuttgarter Konzern als auch BMW verzichten in ihren aktuellen Oberklasse-Modellen auf die Weiterentwicklung von Level-3-Systemen. Mit der jüngsten Modellpflege von S-Klasse und 7er-Reihe wird kein entsprechender Autobahnassistent mehr angeboten. Damit entfällt eine Ausbaustufe, die als Übergang zwischen klassischem Assistenzsystem und vollautonomem Fahren galt.
Offiziell ist die Zurückhaltung weniger technisch begründet als wirtschaftlich. Die Nachfrage nach Level-3-Funktionen blieb offenbar deutlich hinter den Erwartungen zurück.
Die sogenannte „Take Rate“, also der Anteil der Käufer, die das System tatsächlich bestellten, fiel gering aus. Konkrete Zahlen nennen die Hersteller nicht. Klar ist jedoch: Mit dem Einstieg bei Wayve, könnte Mercedes-Benz seine Assistenzsysteme in naher Zukunft auf ein neues Level skalieren.
Kommentare