Internetbetrug ist nach wie vor eine der größten Bedrohungen für die Sicherheit der Österreicher – sowohl finanziell als auch psychisch. Jahr für Jahr fallen Tausende Menschen auf immer raffiniertere Betrugsmaschen herein. Im Jahr 2025 erreichten die Delikte erneut ein hohes Niveau, dennoch gibt es erstmals eine klare Trendwende: Dank gezielter Polizeiarbeit, spezialisierter Ermittler und intensiver Prävention konnten die Schäden und Anzeigen in mehreren Bereichen massiv reduziert werden.

Betrug bleibt Alltag – Kriminelle nutzen Internet und Telefon

Auch 2025 sorgten betrügerische Anrufe, Phishing-SMS, gefälschte E-Mails und immer neue Maschen für Tausende Opfer in Österreich. Laut Innenministerium und Bundeskriminalamt belaufen sich die verursachten Schäden weiterhin auf mehrere Millionen Euro. Kriminelle nutzen gezielt das Internet und das Telefon, um sich das Vertrauen ihrer Opfer zu erschleichen und sie unter Druck zu setzen.

Die Palette der Betrugsformen ist breit gefächert – vom „Falschen Polizisten“ über den „Tochter-Sohn-Trick“ bis hin zu komplexem Anlagenbetrug. Besonders perfide ist dabei das Vorgehen, bei dem die Täter gezielt Emotionen wie Angst, Hilfsbereitschaft oder Respekt vor staatlichen Institutionen ausnutzen.

Ältere Menschen besonders im Visier

Besonders gefährdet sind ältere Menschen. Die Täter geben sich als Polizisten, Staatsanwälte oder Bankangestellte aus. Unter Vorwänden wie angeblichen Einbruchsserien, korrupten Bankmitarbeitern oder dem sogenannten „Kautionstrick” fordern sie hohe Geldbeträge und Wertsachen.

Der Modus Operandi „Falscher Polizist“ trat erstmals 2021 auf und entwickelte sich rasch zu einer der schadensträchtigsten Betrugsformen. Die Täter agieren professionell organisiert und setzen ihre Opfer gezielt unter psychischen Druck.

Erfolg durch Spezialeinheiten: Cyber-Cobra und EG FaPo

Um diesen Tätergruppen wirksam zu begegnen, setzte die Polizei in den vergangenen Jahren verstärkt auf Schwerpunktmaßnahmen. So wurden spezialisierte Ermittlungsgruppen aufgebaut, die polizeiliche Prävention intensiviert und die Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft ausgebaut.

Innenminister Gerhard Karner erklärt dazu: „Im Kampf gegen Kriminalität im Internet arbeitet die Cyber-Cobra immer effektiver. Eine intensivere Ausbildung und eine flächendeckende Struktur sind wesentliche Voraussetzungen für mehr Sicherheit im Netz. Mit der Kriminaldienstreform sind Cyber-Spezialistinnen und -Spezialisten nicht nur in den Zentralen, sondern auch in den Regionen als Ermittler unterwegs.“

Auch im Bundeskriminalamt sieht man deutliche Fortschritte. Dessen Leiter Andreas Holzer betont: „Cybersicherheit ist Teamarbeit. Das Bundeskriminalamt investiert in digitale Kompetenz und setzt auf leistungsfähige Partnerschaften. So werden Ermittlungen effizienter und Warnungen österreichweit präziser platziert.”

Ein zentraler Baustein ist die im September 2022 eingerichtete Einsatzgruppe „Falsche Polizisten“ (EG FaPo). Die dezentral organisierte Einheit ist in allen Landeskriminalämtern vertreten und wird vom Bundeskriminalamt koordiniert.

Schadenssumme und Anzeigen stark gesunken

Die Bilanz dieser Maßnahmen fällt deutlich positiv aus. So betrug die Schadenssumme beim „Falschen Polizisten“ im Jahr 2023 noch rund 20 Millionen Euro, während sie 2025 bei etwa neun Millionen Euro lag. Gleichzeitig ging die Zahl der Anzeigen massiv zurück: von 1 605 Fällen im Jahr 2023 auf rund 740 im Jahr 2025 – ein Rückgang von über 60 Prozent.

Auch bei der sogenannten „Tochter-Sohn-Masche“ zeigt sich ein klarer Erfolg. Dabei geben sich Kriminelle unter neuen Telefonnummern als Kinder oder nahe Angehörige aus und täuschen akute Notlagen vor. Meist werden dringend benötigte Geldbeträge im vierstelligen Euro-Bereich gefordert.

Während 2023 noch rund 5.000 Fälle mit einer Schadenssumme von 9,3 Millionen Euro angezeigt wurden, sank die Zahl 2024 auf etwa 1.700 Fälle. Im Jahr 2025 wurden rund 1.100 Fälle registriert, was einem weiteren Rückgang von rund 35 Prozent entspricht. Der Schaden liegt mit 3,2 Millionen Euro rund 65 Prozent unter dem Niveau von 2023.

Prävention bleibt der Schlüssel

Trotz der Erfolge bleibt Internetbetrug ein zentrales Kriminalitätsfeld. Prävention und Strafverfolgung sind nach wie vor die beiden wichtigsten Säulen. Zu diesem Zweck wurden im Bundeskriminalamt spezialisierte Ermittlungsgruppen geschaffen, die nationale und internationale Ermittlungen koordinieren und unterstützen.