Mozartkugel-Lüge? 200 Jahre Täuschung aufgeflogen!
Neue Funde stellen die Geschichte der berühmten Salzburger Mozartkugel infrage. Ein Inserat aus dem Jahr 1881 deutet darauf hin, dass die süße Spezialität schon vor der angeblichen Erfindung durch Paul Fürst existierte. Nun fordern Historiker eine Neubewertung der Legende.
Die Mozartkugel gilt seit jeher als süßes Wahrzeichen Salzburgs. Offiziell soll sie 1890 von Konditormeister Paul Fürst erfunden worden sein. Doch ein Fund des Historikers Gerhard Ammerer sorgt nun für Diskussionen: In der Presse vom 3. Februar 1881 inserierte der Konditor R. Baumann bereits „Salzburger Spezialität Mozartkugeln – handgefertigt in Salzburg“.
Ammerer, der derzeit an einem Buch über die Kugel arbeitet, erklärte in den Salzburger Nachrichten: „Damit ist eine Neubewertung der bisherigen Legendenbildung unumgänglich.“
Zwei Traditionshäuser im Konflikt
Baumanns Geschäft war der Vorgänger der heutigen Confiserie Holzermayr am Alten Markt. Deren Urenkel Alexander Truschner sagte in der Presse: „Die Geschichte der Mozartkugel muss neu geschrieben werden.“
Die Konditorei Fürst, die bis heute die „Original Salzburger Mozartkugel“ vertreibt, widerspricht: „Paul Fürst hat die Original Salzburger Mozartkugel erfunden“, betont Inhaber Martin Fürst. Ursprünglich habe das Produkt „Mozartbonbon“ geheißen, bevor es als Kugel weltberühmt wurde.
Rechtliche Schritte denkbar
Truschner hat bereits Kontakt mit Markenanwalt Christian Thiele aufgenommen und erwägt rechtliche Schritte. Fürst gibt sich gelassen: „Sollte es zu einer freien Beweisführung kommen, haben wir viel in der Hand“, erklärte er gegenüber der Presse.
Schon früher gab es Rechtsstreitigkeiten um die Mozartkugel. 2017 entschied der Oberste Gerichtshof, dass eine andere Manufaktur ihre Kugeln nicht in einer Verpackung anbieten durfte, die der von Fürst zu ähnlich war. Nun könnte erneut ein Prozess folgen – diesmal nicht um die Hülle, sondern um die wahre Erfindungsgeschichte.
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