Nach 100 Jahren: Aschermittwoch und Ramadan beginnen wieder am selben Tag
Fast 100 Jahre ist es her, dass die christliche Fastenzeit und der Ramadan zeitgleich begannen. In diesem Jahr fallen Aschermittwoch und der islamische Fastenmonat wieder auf denselben Tag. Es ist ein seltenes Zusammentreffen zweier völlig unterschiedlicher Kalendersysteme.
Heuer beginnen Aschermittwoch und Ramadan am selben Tag – ein seltenes Zusammentreffen zweier religiöser Kalender.GETTYIMAGES/Joel Carillet
Es ist ein kalendarisches Kuriosum mit historischer Dimension: Zuletzt fielen die vorösterliche Fastenzeit und der Ramadan am 22. Februar 1928 auf denselben Tag. Fast ein Jahrhundert später, ist es am heutigen Mittwoch wieder so weit.
Während sich das Christentum am Sonnenjahr orientiert und Ostern nach einem komplexen Zusammenspiel aus Frühlingsbeginn und Vollmond berechnet, folgt der Islam strikt dem Mondjahr. Dass beide Systeme diesmal zusammentreffen, ist laut Experten alles andere als selbstverständlich.
Zwei Kalender, zwei Welten
„Das ist wirklich ein seltenes Ereignis“, sagt Franz Winter, Professor für Religionswissenschaft an der Universität Graz, berichtete die Kleine Zeitung. Der Grund dafür liegt in der unterschiedlichen Zeitrechnung. Der christliche Kalender orientiert sich grundsätzlich am Sonnenjahr. Ostern wird jedoch am ersten Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond gefeiert. Der islamische Kalender hingegen folgt ausschließlich dem Mond. Dadurch verschieben sich die Monate jedes Jahr weiter nach vorne. Der Ramadan ist der neunte Monat im islamischen Kalender.
Beim Fasten selbst gibt es laut Winter Gemeinsamkeiten: „In beiden Religionen ist es eine Vorbereitungszeit, zu der die intensive Beschäftigung mit religiösen Inhalten gehört, etwa durch das Lesen der Bibel bzw. des Korans.“ Am Ende stehen große Feste: Ostern im Christentum und Eid al-Fitr im Islam. Doch die Unterschiede sind deutlich.
Ramadan: Strenge Regeln und soziale Funktion
„Die islamische Tradition führt das Fasten auf den Propheten Mohammed zurück.“ Das Fasten im Ramadan ist eine der fünf Säulen des Islam und drückt die Zugehörigkeit dazu aus.
Zentrales Merkmal ist der vollständige Verzicht auf Essen und Trinken von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Gleichzeitig hat das Fasten auch eine soziale Komponente. „Das allabendliche Fastenbrechen wird in der Familie oder in der Moschee begangen. Es ist ein Zeichen der Zugehörigkeit und Gemeinschaft.“ Das gemeinsame Essen wird jeweils von einem anderen Mitglied der Gemeinde gestiftet.
Im Christentum umfasst die vorösterliche Fastenzeit 40 Tage. Heute gelten allerdings nur noch Aschermittwoch und Karfreitag als strenge Fasttage.
Wenn Ramadan und Nowruz zusammenfallen
Wie streng das Fasten ausgelegt wird, hängt zudem vom jeweiligen Land ab. In Saudi-Arabien mit seiner strengen sunnitischen Auslegung gilt der Ramadan als Ausnahmemonat. Im schiitisch geprägten Iran wird das Fasten dagegen nicht überall mit derselben Strenge praktiziert.
In diesem Jahr könnte das Ende des Ramadan zudem mit Nowruz, dem persischen Neujahrsfest, zusammenfallen – zumindest theoretisch. Denn der tatsächliche Beginn des Fastenmonats entscheidet letztlich auch über sein Ende.
Während sich Christen am Ende der Fastenzeit auf Ostern vorbereiten, feiern Muslime das dreitägige Fest Eid al-Fitr, das in manchen Regionen auch Zuckerfest genannt wird. Dabei wünschen sich die Gläubigen: Eid mubārak – ein gesegnetes Fest.
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