Nach der Debatte um die sogenannten „Grooming Gangs“ in Großbritannien stellt sich auch in Österreich die Frage: Handelt es sich um ein mediales Stereotyp – oder um ein neues, reales Täter-Muster? Opfer-Anwalt Sascha Flatz, der bereits im Zusammenhang mit einem viel diskutierten Freispruch in Österreich auf exxpressTV vor einem „neuen Täterschema“ gewarnt hatte, bezieht nun gegenüber dem exxpress Stellung. Seine Einschätzung ist eindeutig: „Was neu ist an diesen Fällen ist das, dass es derartige Fälle vor zehn Jahren nicht gegeben hat.“

„Zehn Männer warten im Hotelzimmer“

Flatz beschreibt ein klares Muster: „Dass beispielsweise zehn Männer in einem Hotelzimmer auf ein Mädchen warten und es dann zu sexuellen Handlungen an diesem Mädchen kommt, die es nicht will: Das gab es vor zehn Jahren nicht.“

Das Vorgehen sei dabei fast immer identisch: „Das Tatschema ist immer das gleiche. Ein Täter sucht sich in einem Park ein schüchternes zurückgezogenes Mädchen, gibt sich als ihr Freund aus und führt sie dann irgendwann nach dem dritten Treffen seinen Freunden zu.“

Für den Opfer-Anwalt ist diese Gruppendynamik in Kombination mit gezielter Anbahnung das eigentliche Novum.

„Bislang immer Täter mit Migrationshintergrund“

Zur Frage, ob Herkunft eine Rolle spiele, sagt Flatz klar: „Ich kann nur aus meinem Arbeitsalltag sagen, dass wir bei diesen Delikten bislang immer nur Täter mit Migrationshintergrund hatten.“ Ein klares Muster zeige sich auch bei ihren Opfern: „Die suchen auch bewusst keine Opfer aus ihrem Kulturkreis, da sie wissen, dass ansonsten am nächsten Tag deren Großfamilie bewaffnet vor der Türe steht und das klärt.“

Für Flatz handelt es sich also nicht um Einzelfälle. Das hat System.

„Ein entsprechendes Frauenbild – kein Unrechtsbewusstsein“

Auch kulturelle Prägungen spielen aus seiner Sicht eine Rolle: „Natürlich haben diese Täter ein dementsprechendes Frauenbild und auch überhaupt kein Unrechtsbewusstsein.“ Das gehe mit einem Rollenverständnis einher, das mit westlichen Gleichberechtigungsnormen unvereinbar sei.

„Strafmündigkeit auf 12 Jahre senken“

Flatz sieht nicht nur gesellschaftliche, sondern auch rechtliche Probleme. „Zuerst sollte die Strafmündigkeit auf 12 Jahre herabgesetzt werden, damit man gewisse Täter überhaupt fassen kann.“ Er verweist darauf, dass auch in Deutschland politische Diskussionen über eine Absenkung von 14 auf 12 Jahre geführt werden.

Zudem fordert er: „Solche Taten müssen konsequent von den Gerichten streng verfolgt werden, um den Tätern zu zeigen, dass wir ein derartiges Verhalten nicht tolerieren.“ Seine Warnung: „Ansonsten sehen diese Täter unsere Gesellschaft als schwach, wo man sich so etwas erlauben kann.“

Prävention: Wertekurse – und klare Worte

Im Vorfeld brauche es vor allem Aufklärung. „Präventiv kann man natürlich nur aufklären, vor allem Wertekurse für diese Jugendlichen.“ Aber auch Mädchen müssten gestärkt werden: „Die Mädchen müssen lernen Nein zu sagen, wenn jemand etwas tut, das sie nicht möchten.“ Und: „Sie dürfen keine Angst haben, die Polizei zu rufen, wenn sie beispielsweise in ein Hotelzimmer kommen, wo zehn Jungs auf sie warten.“