Schock: Bewaffnete stürmen Gottesdienst – über 160 Christen entführt
Während des Sonntagsgottesdienstes stürmten bewaffnete Banden zwei Kirchen – dabei wurden mehr als 160 Gläubige verschleppt. Dieser Angriff reiht sich in eine Serie brutaler Massenentführungen ein, die das Land derzeit erschüttern.
Sicherheitskräfte in Nigeria nach einem Angriff: Bewaffnete Banden terrorisieren ganze Regionen und entführen Zivilisten aus Kirchen und Schulen.GETTYIMAGES/NurPhoto
Die Gewalt in Nigeria erreicht eine neue Eskalationsstufe: Während des Gottesdienstes griffen schwer bewaffnete Angreifer die Kirche an. In einem abgelegenen Waldgebiet im Bundesstaat Kaduna wurden Dutzende Kirchgänger entführt. Kirchenvertreter sprechen von mehr als 160 Opfern und einem gezielten Überfall, der das Ausmaß der Sicherheitskrise im Land schonungslos offenlegt.
Bewaffnete stürmen Kirchen während des Gottesdienstes
Nach Angaben der örtlichen Polizei griffen die Täter am Sonntag gegen 11:25 Uhr Ortszeit zwei Kirchen in Kurmin Wali im Bezirk Afogo an. Die Angreifer waren demnach mit „hochentwickelten Waffen“ ausgerüstet.
Ein hochrangiger Kirchenvertreter bestätigte, dass die Entführungen während des laufenden Sonntagsgottesdienstes stattfanden. Die Region gilt als schwer zugänglich und ist von Wald umgeben – ein Rückzugsgebiet für bewaffnete Banden.
Der Vorsitzende der Christian Association of Nigeria für den Norden des Landes, Rev. Joseph Hayab, schilderte den Ablauf gegenüber AFP eindringlich: „Die Angreifer kamen in großer Zahl, blockierten den Eingang der Kirchen und zwangen die Gläubigen, sich in den Busch zu flüchten.“
172 Verschleppte, nur neun konnten fliehen
Gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters präzisierte Hayab die Zahlen: „Ich habe von den Ältesten der Kirchen erfahren, dass 172 Gläubige entführt wurden, während neun fliehen konnten.“
Die Tat gilt als die jüngste Massenentführung in Nigeria. Bewaffnete kriminelle Gruppen, die vor Ort oft als „Banditen“ bezeichnet werden, verüben vor allem im Norden und Zentrum des Landes regelmäßig Überfälle und Entführungen, um Lösegeld zu erpressen.
Bereits im November hatten bewaffnete Täter mehr als 300 Schüler und Lehrer einer katholischen Schule entführt. Die Geiseln kamen später in zwei Gruppen frei. Der Fall sorgte international für Schlagzeilen.
Sicherheitskrise auf vielen Fronten
Nigeria sieht sich gleichzeitig mit mehreren schweren Sicherheitsproblemen konfrontiert. Dazu zählen Entführungen durch kriminelle Banden, eine islamistische Rebellion im Nordosten, separatistische Gewalt im Südosten sowie blutige Konflikte zwischen Hirten und Bauern im Zentrum des Landes um Land und Wasser.
Experten machen Korruption, mangelhaften Informationsaustausch und schlecht ausgestattete lokale Polizeikräfte für die anhaltende Instabilität verantwortlich. Auf dem Höhepunkt der Entführungskrise trat zuletzt sogar Nigerias Verteidigungsminister zurück – offiziell aus gesundheitlichen Gründen, wie das Präsidialamt mitteilte.
Auch international wächst der Druck. So flogen die USA am Weihnachtstag Luftangriffe auf zwei Lager einer islamistischen, militanten Gruppe im Nordwesten Nigerias. Anfang dieses Monats hatte US-Präsident Donald Trump mit weiteren Angriffen gedroht, sollten in dem westafrikanischen Land weiterhin Christen getötet werden.
Ein Sprecher des nigerianischen Außenministeriums reagierte darauf mit einer klaren Botschaft der Regierung. Alkasim Abdulkadir erklärte: „Nigeria setzt sich weiterhin für den Schutz aller Bürger (…) ein.”
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