Eine Petition auf der offiziellen Plattform der Stadt Wien sorgt derzeit für Diskussionen: Gefordert wird die Einrichtung eines „klar gekennzeichneten FLINTA-Bereichs” auf der Donauinsel – eines Areals also, das ausdrücklich nur bestimmten Menschen offenstehen soll. FLINTA steht für Frauen, Lesben, intergeschlechtliche, nicht-binäre, trans und agender Personen. Männer sind schlicht nicht mitgemeint.
Eingebracht hat die Petition die 27-jährige Melanie Gradik, freigegeben wurde sie im April, bislang gibt es 281 Unterstützungen. Begründet wird die Forderung mit Belästigungen: Viele Betroffene berichteten von aufdringlichen Kommentaren und ungefragtem Fotografieren – laut Petitionstext „nicht nur nachts, sondern auch tagsüber”. Gegenüber dem Portal „moment.at” sagte Gradik, sie wolle öffentliche Räume zurücknehmen und für FLINTA sicherer machen

Eine Insel, die zuletzt anders auffiel
Bemerkenswert ist der Schauplatz. Denn die Donauinsel machte in den vergangenen Monaten vor allem mit handfesten Problemen Schlagzeilen. Vermummte E-Scooter-Chaoten lösten einen Polizeieinsatz aus, zum Ramadan-Ende rückte die Polizei zu einem Großeinsatz aus, und wie der exxpress berichtete, sollen österreichische Familien wiederholt von Grillplätzen vertrieben worden sein – in einem Fall mit den Worten „Du nix grillen Schwein, geh woanders”. Immer wieder Thema sind zudem sexuelle Übergriffe.
Während bei diesen Vorfällen konkrete Probleme und Täter im Raum stehen, setzt die Petition an einem ganz anderen Punkt an: Sie will die Insel nicht sicherer für alle machen, sondern einen exklusiven Rückzugsraum für manche schaffen.
Donauinsel Wird Zur Nogo Area Rassismus Gegen Oesterreicher
Die kuriose Wunschliste
Konkret listet die Petition eine ganze Reihe von Anforderungen auf. Wörtlich heißt es, gefordert würden unter anderem:

Das erklärte Ziel dahinter: ein Ort, an dem sich FLINTA-Personen „sicher aufhalten, entspannen und baden können”, wie es im Petitionstext heißt. Der Bereich solle möglichst nahe einer Öffi-Station liegen, damit eine sichere An- und Abreise gewährleistet sei. Zugleich betont die Initiatorin, es gehe „kein Ausschluss anderer Menschen”, sondern um einen Raum, in dem sich FLINTA-Personen „besonders sicher und wohl fühlen können”.
Wie sich beides zugleich erreichen lässt – ein Bereich exklusiv für eine Gruppe, der zugleich niemanden ausschließt –, bleibt offen. Ebenso praktische Fragen: Ein Schild soll das ungefragte Fotografieren also künftig verhindern. Wer die Einhaltung kontrollieren soll und was passiert, wenn sich ein Mann schlicht dorthin setzt, verrät die Petition nicht.
Selbst Befürworter räumen ein: Kontrolle unmöglich
Wie man bei „moment.at” nachlesen kann, geben die dort zitierten Expertinnen selbst zu, dass das Konzept an seinem Kernproblem scheitert. Eine Genderforscherin der Universität Innsbruck stellt klar: Absolute Sicherheit sei nicht möglich, es gebe keinen „safe Space”, nur „safer Spaces”. Und der Einlass? Lasse sich nur schwer bis gar nicht kontrollieren, weil Geschlecht nicht am Körper ablesbar sei.
Würde man den Zugang doch streng regeln, träfe das ausgerechnet die eigene Zielgruppe. Denn dann bestünde die Gefahr, dass FLINTA-Personen zum Outing gedrängt und männlich gelesene FLINTA-Personen selbst ausgeschlossen würden. Ein Schutzraum also, der jene aussperren könnte, die er schützen soll.
Von der Badezone zur „Revolution im Zusammenleben"
Wie weit die Programmatik hinter der harmlos klingenden Badebereich-Idee reicht, zeigt eine weitere Wortmeldung im selben Artikel. Eine Innsbrucker Wissenschaftlerin fordert nicht weniger als eine „Revolution im Zusammenleben”: Männer als privilegierte Gruppe des Patriarchats müssten Macht abgeben. Aus einem abgesperrten Stück Wiese wird so schnell ein gesellschaftspolitisches Großprojekt.
Bemerkenswert: Selbst in den Kommentarspalten des linken Portals stößt die Idee auf Widerspruch. Eine Nutzerin, die sich selbst als Frau bezeichnet, nennt das Konzept in einem Kommentar schlicht daneben und vergleicht die dahinterstehende Grundhaltung mit jener, die pauschal alle Männer als Bedrohung abstempelt. Ein anderer Kommentator warnt vor einem „Reservat”-Charakter, der erst recht Schaulustige anziehe.
Stadt Wien sieht keinen Bedarf
Und die Stadt Wien? Sie hat dem Anliegen bereits eine klare Absage erteilt. Die zuständige Magistratsabteilung MA 48 sieht laut „moment.at” derzeit keinen Bedarf und verweist darauf, dass es bereits Badebereiche mit Beleuchtung, guter öffentlicher Anbindung, Spinden, Sanitäranlagen und Gastronomie gebe – all das trage bereits zum Sicherheitsgefühl bei. Zudem seien von April bis Ende September mobile Teams auf der Insel unterwegs, die auf ein gutes Miteinander achten.
Auch von einer Behandlung durch die Stadtpolitik ist die Petition weit entfernt: Erst ab 500 Unterschriften muss sie überhaupt behandelt werden. Diese Schwelle ist bislang klar verfehlt. Ob am Ende tatsächlich ein Teil der Donauinsel nach Geschlecht getrennt wird, darf also bezweifelt werden.

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