ORF empfiehlt Islam-Lektüre zu Ostern
Osterhase, Eier, Schokolade – und dann das: Ausgerechnet in seiner Liste „Bücher für das Osternest“ empfiehlt religion.ORF.at auch den Sammelband „Muslimische Zukünfte“. Auf X folgten Spott und Kritik. Das Buch attackiert „antimuslimische Diskurse“ und spricht von „Dekolonialisierung“. Musste es zu Ostern genau dieser Titel sein?
Osternest trifft „Muslimische Zukünfte“: Der ORF-Buchtipp sorgt im Netz für Aufregung.GETTYIMAGES/Liudmila Chernetska/transcript Verlag
Unter dem Titel „Bücher für das Osternest“ heißt es auf religion.ORF.at: „Viel nachhaltiger als gekochte Eier und deutlich gesünder als Schokolade sind Buchgeschenke zum Osterfest.“
So weit, so nett. Doch zwischen den Empfehlungen findet sich auch ein Titel, der eher nach Seminar als nach Sonntagsruhe klingt: „Muslimische Zukünfte. Imaginationsprozesse und kollektive Träume“ – ein Sammelwerk, in dem es um „Machtverhältnisse“, „antimuslimischen Rassismus“, „Ausschlüsse“ und „Dekolonialisierung“ geht.
Das klingt ganz nach Osterfreude – oder?
Kein Osterbuch – sondern ein politisches Programm
Der ORF beschreibt das Buch als Beitrag zur Frage, wie Zukunft gestaltet werden kann – inklusive Diskussionen über „Macht, Rassismus, Kolonialismus und ökonomische Fragen“.
Ein Blick ins Buch zeigt: Hier geht es nicht um beschauliche Reflexionen, sondern um eine klare Deutung von Gesellschaft. Im Vorwort heißt es: „Zukunft ist nicht neutral, sondern geprägt von Machtverhältnissen, Vorstellungen und Ausschlüssen.“ Weiter heißt es: „Krisen sind zunehmend von antimuslimischem Rassismus, sozialen Ausschlüssen und epistemischer Gewalt geprägt.“
Auch der Verlagstext macht die Stoßrichtung deutlich. Dort ist von einer Welt die Rede, die von „antimuslimischen Diskursen“ geprägt sei – und von der Frage: „Wer hat dabei das Privileg zu träumen – und wer nicht?“ Die Antwort darauf soll über „kollektive Imaginationsprozesse“ erfolgen, die „zu mehr Dekolonialisierung führen können“.
„Widerstand gegen aufgezwungenes Schweigen“ und „unterdrückende westliche Moderne“
Noch deutlicher wird der Ton im englischen Vorwort. Dort heißt es (übersetzt): „Die Zukunft ist kein neutraler Raum, sondern ein umkämpftes Terrain, geprägt von Macht, Werten und Kultur.“ Und weiter: „Muslimische Zukünfte sind Akte widerspenstiger kollektiver Imagination – Widerstand gegen aufgezwungenes Schweigen.“
Ziel sei es, dominante westliche Perspektiven zurückzuweisen: „Sie sollen nicht an den Maßstäben unterdrückender westlicher Moderne gemessen werden.“ Nicht Anpassung, sondern Gegenentwurf ist das Programm.
Vom „Platz am Tisch“ bis zur neuen Ordnung
In den einzelnen Kapiteln ist von „gerechten Zukünften“ und einer „Politik der Imagination“ die Rede. In einem Beitrag wird Zukunft als Raum beschrieben, in dem marginalisierte Gruppen „um ihren rechtmäßigen Platz kämpfen müssen“.
Und weiter: „Es ist eine Zukunft, die eingefordert, erträumt und geschaffen werden muss.“
Herausgegeben wurde der Band von der Philosophin Amani Abuzahra und der Theologin Amena Shakir, erschienen im Transcript Verlag. Der Sammelband versammelt Beiträge rund um die Frage, wie „muslimische Zukünfte“ gedacht und gestaltet werden können.
Auf X ließ der Spott nicht lange auf sich warten
Auf X wurde die ORF-Empfehlung schnell aufgegriffen. Ein Nutzer schreibt: „Der #ORF empfiehlt zum Osterfest ein Buch zu kaufen mit dem Titel ,Muslimische Zukünfte‘“ – und spricht von „Unterwerfung“. Ein anderer kommentiert ironisch: „Aber es findet ja keine #Islamisierung statt….“
Der #ORF empfiehlt zum Osterfest ein Buch zu kaufen mit dem Titel "Muslimische Zukünfte".
— Der März (@DerMaerzAT) March 30, 2026
Darin informieren Muslimas wie der Westen "kreativ" mit der Islamisierung umgehen soll. Also annehmen, anpassen, akzeptieren und am Ende natürlich (steht so wohl nicht drin):
Unterwerfung https://t.co/Y4BJTsGBDW
Ein weiterer merkt an: „Völlig meschugge. Wie kann man sich als Linke(r) einem Wertesystem, das diametral den eigenen Grundsätzen zuwider läuft, so anbiedern … ?“.
Völlig meschugge.
— Peter Bernecker (@PeterMBernecker) March 30, 2026
Wie kann man sich als Linke(r) einem Wertesystem, das diametral den eigenen Grundsätzen zuwider läuft, so anbiedern - und andere Gruppen, mit denen zumindest in einigen Punkten Übereinstimmungen möglich wären, pauschal als "Nazis" komplett boykottieten?
Antikolonial-Kampf zu Ostern
Dass ein solches Buch einen Platz im Osternest gefunden hat, sorgt für Kopfschütteln. Denn „Bücher für das Osternest“ ist kein neutraler Rahmen – sondern ein klar christlicher Kontext. Und in diesem wirkt ein Band über Machtverhältnisse, Rassismus, Dekolonialisierung und gesellschaftliche Neuordnung weniger originell als auffällig.
Vermutlich wollte der ORF Vielfalt zeigen. Herausgekommen ist jedoch ein Buchtipp, der den Kampf um Deutungshoheit beschreibt – und das ausgerechnet zu einem christlichen Fest.
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