Ein Film über SPÖ-Ikone Bruno Kreisky. 750.000 Euro vom ORF. Millionen aus öffentlichen Fördertöpfen. Und nun lädt die SPÖ selbst zur Vorpremiere.
Nach Babler kommt Kreisky
Erst sorgte die mit rund 553.000 Euro öffentlich geförderte Andreas-Babler-Dokumentation „Wahlkampf“ für Diskussionen – der exxpress berichtete. Trotz Steuergeld-Förderung blieb das Publikumsinteresse überschaubar: Nach zwei Wochen wurden österreichweit nur 1408 Besucher gezählt.
Nur Noch 513 Kinobesucher Babler Flop Immer Schlimmer
Jetzt rückt das nächste rote Filmprojekt in den Blick: der Spielfilm „BRUNO – Der junge Kreisky“. Diesmal geht es nicht um den heutigen SPÖ-Chef – sondern um den großen Mythos der Sozialdemokratie. Und diesmal ist auch der ORF mit 750.000 Euro dabei.
Der Spielfilm wird schon vor dem Kinostart politisch interessant. Nicht nur wegen seines Inhalts. Sondern wegen seiner Finanzierung – und wegen des roten Rahmenprogramms.
Laut Österreichischem Filminstitut fließen 750.000 Euro aus dem ORF-Film/Fernseh-Abkommen in das Projekt. Dazu kommen 1.000.000 Euro Herstellungsförderung des Filminstituts und 2.244.900 Euro aus ÖFI+, der automatischen Standortförderung für österreichische Kinofilme. Der Film ist dort mit Kinostart 1. Oktober 2026 gelistet.
Millionen für den jungen Kreisky
Regie führt Harald Sicheritz – bekannt unter anderem für „Muttertag“, „Hinterholz 8“ und „Poppitz“. Am Drehbuch beteiligt ist auch die Historikerin und Filmemacherin Helene Maimann, die sich bereits mehrfach mit Bruno Kreisky und österreichischer Zeitgeschichte beschäftigt hat.
Der Filmfonds Wien beschreibt das Projekt als Biopic über Kreiskys zweite und dritte Lebensdekade: vom entstehenden Ständestaat bis zu seiner Emigration nach Schweden 1938. Die Produktion ist eine österreichisch-deutsche Koproduktion von Dor Film und Dor Film West.
Kreisky war SPÖ-Bundeskanzler, Langzeitregierungschef, roter Mythos. Bis heute ist er eine zentrale Identifikationsfigur der österreichischen Sozialdemokratie. Genau deshalb ist die Finanzierung politisch sensibel.
ORF ist mit 750.000 Euro dabei
Der ORF selbst hatte bereits im Oktober 2024 über die Unterstützung mehrerer Kinoprojekte berichtet. Insgesamt ging es damals um neun Kinofilmprojekte mit rund 2,4 Millionen Euro aus dem Film/Fernseh-Abkommen. Darunter war auch „Bruno – Der junge Kreisky“.
Der ORF verweist dabei auf seinen gesetzlichen Auftrag, jährlich 8 Millionen Euro in Kinoproduktionen zu investieren. Formal ist das also Teil des ORF-Kulturauftrags. Politisch bleibt die Optik heikel: Ein gebührenfinanzierter Rundfunk unterstützt mit 750.000 Euro einen Film über die größte Ikone der SPÖ. Schon die Vorpremiere wirkt wie ein parteipolitisches Event.
Kulturauftrag – oder SPÖ-Nostalgie?
Der Film greift tief in die sozialdemokratische Vergangenheit zurück: in die 1920er- und 1930er-Jahre, als der junge Kreisky politisch geprägt wurde – und als die rote Geschichte noch eine große Zukunft vor sich hatte.
Genau deshalb wirkt das Projekt nicht nur wie Zeitgeschichte, sondern auch wie SPÖ-Nostalgie mit öffentlicher Unterstützung.
SPÖ lädt ins Filmcasino
Hochoffiziell laden die SPÖ-Bildung, die Welcome-Sektion der SPÖ Wien, das Renner Institut und die Wiener Bildungsakademie auf Facebook und Instagram herzlich zur Vorpremiere des Films „Bruno – Der junge Kreisky“ ein. Termin ist der 20. Mai 2026, 18 Uhr, im Filmcasino Wien.
Das Programm hat rote Festspiel-Atmosphäre.
Die musikalische Einleitung übernimmt der Arbeitersängerbund Favoriten. Danach folgen Begrüßungen durch mehrere SPÖ-Funktionäre: unter anderem durch Gerhard Schmid, 3. Wiener Landtagspräsident und Vorsitzender der SPÖ-Bildung, die Wiener Stadträtin Elke Hanel-Torsch, SPÖ-Wien-Landesparteisekretär Jörg Neumayer, die Wiener Landtagsabgeordnete Nina Abrahamczik sowie Jasmina Malkoč, Vorsitzende der Jungen Generation Wien. Anschließend diskutieren Medienhistorikerin Karin Moser und Regisseur Harald Sicheritz.
Gratis, ausgebucht, rote Bühne
Auch die Wiener Bildungsakademie führt die Veranstaltung. Dort ist die Vorpremiere mit Preis: 0,00 Euro gelistet. Der Status: ausgebucht, Warteliste möglich.
Die politische Optik ist bemerkenswert: öffentlich-rechtliches Geld, öffentliche Fördermillionen, ein Film über Kreisky – und eine Vorpremiere unter SPÖ-Regie mit Arbeitersängerbund, Funktionären und rotem Erinnerungsrahmen.
Natürlich kann man einen Film über Bruno Kreisky machen. Österreichische Zeitgeschichte gehört ins Kino. Kreiskys Jugend, Ständestaat, Emigration – all das sind relevante Themen. Nur: Wenn ein Film über eine SPÖ-Ikone mit 750.000 Euro ORF-Geld und weiteren Millionen aus öffentlichen Fördertöpfen unterstützt wird – und die SPÖ danach selbst zur Vorpremiere lädt –, wirkt das weniger wie nüchterner Kulturauftrag als wie rote Erinnerungspflege mit Gebühren- und Steuergeld.
Die Bürger zahlen. Die SPÖ rollt den roten Teppich aus.

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