In Großbritannien steht der Umgang mit Ehrenverbrechen massiv in der Kritik. Laut den veröffentlichten Zahlen wurden im Jahr 2025 insgesamt 2.949 Ehren-Delikte registriert, doch nur 95 Angeklagte strafrechtlich verfolgt – rund drei Prozent.

Auch zwischen 2022 und 2024 ist die Quote niedrig: Von 5.763 gemeldeten Straftaten wurden weniger als 150 Täter strafrechtlich verfolgt.

Die Delikte betreffen unter anderem Zwangsheirat, Ehrenmorde und weibliche Genitalverstümmelung.

Kritik an Scharia-Räten

Parallel dazu wird über die Rolle sogenannter Scharia-Räte diskutiert. Derzeit soll es in Großbritannien bis zu 85 solcher Gremien geben. Sie befassen sich vor allem mit Familien- und Eheangelegenheiten wie Scheidung oder Wiederverheiratung.

Der konservative Schatten-Justizminister Nick Timothy sagte dem Daily Telegraph, der britische Staat habe „bei der Ausbreitung von Scharia-Gerichten in unserem Land weggesehen“. Zudem betonte er: „Es kann nur eine Rechtsordnung geben.“

Kampagnenvertreter sprechen von einem parallelen Justizsystem ohne staatliche Kontrolle.

„Nichts Ehrenhaftes an diesen Verbrechen“

Die konservative Abgeordnete Rebecca Paul erklärte: „An diesen Verbrechen ist überhaupt nichts ‚Ehrenhaftes‘ – es sind Angriffe auf Frauen und Mädchen, die es wagen, eigene Entscheidungen darüber zu treffen, was sie tragen, wen sie lieben und wie sie ihr Leben gestalten.“

Sie forderte „maßgeschneiderte Unterstützung“ für muslimische Frauen, die von häuslicher Gewalt betroffen sind, sowie einen „entschlossenen Ansatz bei der Integration“.