Was zunächst wie ein natürlicher Todesfall wirkte, beschäftigt nun die Gerichtsmedizin und das Landeskriminalamt. Der wohlhabende, kinderlose Unternehmer aus Niederösterreich soll 2021 nicht an einem Darmverschluss gestorben sein, sondern Opfer eines Verbrechens geworden sein. Im Zentrum der Ermittlungen steht seine frühere Masseurin und spätere Pflegerin, die inzwischen in Untersuchungshaft sitzt – der Verdacht lautet Mord, berichtete die Krone.

Exhumierung bringt alten Todesfall zurück

Am 19. Dezember 2025 rückten Kriminalbeamte, ein Gerichtsmediziner und Totengräber auf einem niederösterreichischen Friedhof an. Sie exhumierten den Sarg eines Mannes, der bereits am 27. Februar 2021 bestattet worden war, und brachten ihn nach Wien. Dort erfolgte eine erneute Obduktion sowie die Entnahme zahlreicher Gewebeproben für toxikologische Analysen.

Hintergrund ist der dringende Verdacht der Staatsanwaltschaft, dass der 1935 geborene Unternehmer nicht an den damals diagnostizierten Folgen eines Darmverschlusses starb, sondern getötet wurde.

Von der Masseurin zur Vertrauensperson

Die Geschichte beginnt im Jahr 2017, wie Ermittler berichten. Der verwitwete, kinderlose und sehr vermögende Hans Günter B. suchte wegen eines Bandscheibenleidens eine Masseurin. Über eine Annonce lernte er Susanne M. (Name geändert) kennen. Aus den Behandlungen entwickelte sich regelmäßiger Kontakt und schließlich eine enge persönliche Beziehung.

Trotz Warnungen aus seinem Umfeld übernahm die Frau im Jahr 2019 die Betreuung des auf einen Rollator angewiesenen Mannes und seines Schäferhundes „Fipi“, nachdem die langjährige Haushälterin entlassen worden war. Bekannte berichten, dass der Unternehmer zwar Zweifel an den Motiven der Frau hatte, aber dennoch an ihr festhielt. Er habe stets betont, ihr nichts zu vererben.

Tatsächlich lag seit 2015 ein notarielles Testament vor, in dem er Liegenschaften und Vermögen einem Tierschutzverein und der Stadtgemeinde zusprach – verbunden mit klaren Auflagen zur Versorgung des Hundes und zur Grabpflege.

Das zweite Testament und der überraschende Tod

Den Ermittlungen zufolge entstand 2020 der Plan, das Testament zu umgehen. Ein Mann mit dem Spitznamen „Architekt“ soll sich gegen ein Honorar von 100.000 Euro bereit erklärt haben, den Unternehmer zu imitieren. Am 17. November 2020 erschien ein gehfähiger älterer Mann mit dem Hund „Fipi“ in Begleitung von Susanne M. und ihrem Partner, einem Arzt, bei einem Notar. Dort wurde ein neues Testament errichtet, das die Pflegerin zur Universalerbin machte.

Nur zweieinhalb Monate später starb Hans Günter B. Susanne M. erklärte, sie sei kurz einkaufen gewesen und bei ihrer Rückkehr habe sie ihren Arbeitgeber regungslos im Bett vorgefunden. Ärzte sprachen damals von einem überraschenden Tod, eine Obduktion erfolgte nicht.

Anzeige bringt Ermittlungen ins Rollen

Erst im Spätsommer 2025 kam Bewegung in den Fall. Ein Häftling, der Susanne M. für den „Notar-Deal“ Geld geliehen haben soll, erstattete Anzeige, da er weder das Geld noch den versprochenen Erbanteil erhalten hatte. In der Folge überprüften Ermittler das Testament. Eine Schriftgutachterin kam zu dem Schluss, dass die Unterschrift „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ nicht vom Verstorbenen stamme.

Der mutmaßliche Doppelgänger konnte nicht mehr befragt werden, da er ebenfalls verstorben war. Susanne M. sitzt seit November in Untersuchungshaft. Sie bestreitet die Vorwürfe, sagt, sie habe ihn nicht umgebracht, und betont, er habe sie tatsächlich zur Erbin gemacht. Belastende Aussagen aus dem Milieu bezeichnet sie als „ein heimtückisches Lügenkomplott“.

Die toxikologischen Ergebnisse stehen noch aus. Sie sollen klären, ob Substanzen im Spiel waren, die eine Darmlähmung auslösen können.