Der lange Tag am Küniglberg nimmt Fahrt auf. Seit dem Vormittag stellen sich die neun Kandidaten dem Stiftungsrat – hinter verschlossenen Türen, denn die Hearings sind nicht öffentlich.
Seit Kurzem ist der Favorit an der Reihe: Clemens Pig, der zehn Jahre lang die APA führte. Er gilt als Favorit, weil ihn die ÖVP im Generaldirektor-Sessel sehen will. Der 51-jährige Politikwissenschafter will sich für die digitale Transformation, journalistische Glaubwürdigkeit und eine stärkere Vernetzung des ORF mit dem heimischen Medienstandort einsetzen. Der Vorwurf, der „Kandidat der Regierung” zu sein, begleitet ihn – Pig bestreitet das vehement. Genau hier dürfte FPÖ-Stiftungsrat Peter Westenthaler ansetzen, der schon im Vorfeld angekündigt hatte: „Ich werde solange fragen, bis ich eine Antwort bekomme.”
Nach Pig folgt exxpress-Herausgeberin Eva Schütz. Sie ist bereits startklar und wartet bis sie sich den Fragen der Stiftungsräte stellen kann.

Jetzt muss sich Clemens Pig den Fragen stellen
Vor Pig hatte Petra Höfer ihren Auftritt, die zweite Kandidatin des Tages. Die frühere ORF-Managerin, die unter anderem für die Streamingdienste Flimmit und Fidelio verantwortlich war, will den ORF „mit klarer Distanz zur Parteipolitik” und einer neuen Unternehmenskultur „wieder in Schwung bringen”. Auch sie war in der Vergangenheit in Rechtsstreitigkeiten mit dem ORF verwickelt.
Während sich die Kandidaten abarbeiten, kennt der Stiftungsrat keine Pause: Eine Mittagspause gibt es für die 35 Räte nicht, gegessen wird bei Bedarf zwischendurch. Anders die rund 30 Journalisten in der Medienlounge – sie wurden pünktlich zur Mittagszeit versorgt. Auf dem Speiseplan: Griesnockerlsuppe, Krautfleckerl und Wiener Schnitzel mit Kartoffelsalat und Reis.
Zahl der Direktoren und Geschäftsverteilung im Anschluss zur Generaldirektoren-Wahl
Und nach der Kür des neuen Chefs ist noch lange nicht Schluss: Laut Tagesordnung steht auch die Festlegung der Zahl der Direktoren und der Geschäftsverteilung an. Ein Punkt, der bereits für Spannungen sorgt – NEOS-Stiftungsrat Alexander Zach sprach von einer „Hauruck-Aktion”, Westenthaler von einem rot-schwarzen „Postenschacher”.

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