“Heute gibt es den nächsten Teil der unendlichen Geschichte um die Smartwatch des Christian Pilnacek“, meinte die grüne Fraktionsführerin Nina Tomaselli vor Beginn der U-Ausschuss-Sitzung. Im ursprünglichen Bericht des Bundeskriminalamts sei nur festgestellt worden, dass es auf der Uhr keine relevanten Daten gibt. Der befragte IT-Techniker habe es dann geschafft, “die Smartwatch tatsächlich auszuwerten”, sagte NEOS-Fraktionsführerin Sophie Wotschke. Sie will von ihm unter anderem wissen, ob er auch eine inhaltliche Prüfung des Laptops vorgenommen hat.

FPÖ-Fraktionsführer Christian Hafenecker interessiert sich dafür, wer profitieren hätte können, wenn der Laptop manipuliert worden wäre. Aus dem Gutachten des IT-Technikers gehe hervor, dass versucht worden sei, Spuren zu verwischen, sagte er. Thomas Elian (ÖVP) sprach davon, dass diverse Personen Änderungen am Laptop vorgenommen hätten, bevor dieser zur Justiz gelangte. Daten seien gelöscht und wiederhergestellt worden, es habe Versuche gegeben, Passwörter aufzuspüren. Pilnaceks Laptop war zuvor im Besitz einiger Privatpersonen. SPÖ-Fraktionsführer Jan Krainer ortete überhaupt einen “sehr auffälligen Umgang” der Polizei mit Datenträgern “unter dem Motto, es darf kein Datenträger in die Nähe einer Staatsanwaltschaft kommen.”

Blaue Kritik an schwarzen "Einschüchterungsversuchen"

Die am Nachmittag aussagende Polizistin will Hafenecker etwa dazu befragen, warum eine Obduktion des Leichnams verhindert werden sollte und warum man so schnell von Suizid sprach. Keinen Erkenntnisgewinn erwartet Krainer. Die zweite Auskunftsperson sei “die siebente, die von derselben Stunde etwas erzählt”, meinte er. Die Abgeordneten würden bereits wissen, was in den ersten Stunden nach Auffinden von Pilnaceks Leichnams passiert ist.

Am Donnerstag geht es im U-Ausschuss dann mit der Befragung des Journalisten Michael Nikbakhsh weiter, der sich mit der Causa Pilnacek eingehend beschäftigt hat. Für Unmut bei der ÖVP hat schon im Vorfeld die Ladung der zweiten Auskunftsperson an diesem Tag gesorgt: Der Unternehmer und ehemalige BZÖ-Politiker hat ein Gespräch Pilnaceks in einem Wiener Innenstadtlokal heimlich aufgezeichnet. Darin erhob der damalige Justiz-Sektionschef schwere Vorwürfe gegen die ÖVP. Hafenecker ortete “Einschüchterungsversuche” durch ÖVP-Fraktionsführer Andreas Hanger, der laut Einladung bei einem Hintergrundgespräch über die “fragwürdige Machenschaften” der Auskunftsperson sprechen wollte.