Plötzlich stumm im All: NASA-Astronaut löst Alarm vor Mondmission aus
Ein dramatischer Zwischenfall auf der Internationalen Raumstation ISS lässt bei der NASA die Alarmglocken schrillen – und trifft die Raumfahrtbehörde ausgerechnet kurz vor dem nächsten großen Schritt zurück zum Mond. Astronaut Mike Fincke verlor im Orbit plötzlich die Fähigkeit zu sprechen.
NASA-Astronaut Mike Fincke wird nach der Landung aus dem SpaceX-Raumschiff Dragon Endeavour an Bord des SpaceX-Bergungsschiffs SHANNON herausgeholfen.IMAGO/BILL INGALLS
Der Vorfall ereignete sich am 7. Januar, als der 59-Jährige nach den Vorbereitungen für einen Weltraumspaziergang gerade beim Abendessen war. Innerhalb von Sekunden verschlechterte sich sein Zustand. Schmerzen hatte er nicht, doch seine Crew erkannte sofort die Gefahr und schlug Alarm. „Es kam komplett aus dem Nichts“, schilderte Fincke später die Situation.
Notfall aus dem Nichts
Laut LiveScience führte der Zwischenfall sogar zur ersten medizinisch bedingten Evakuierung in der Geschichte der ISS. Die NASA brach die Mission umgehend ab, sagte einen geplanten Außeneinsatz ab und brachte die gesamte Crew vorzeitig zur Erde zurück. Am 15. Januar landeten Fincke sowie seine Kollegen Zena Cardman, Kimiya Yui und Oleg Platonov wieder auf der Erde.
Die Episode selbst dauerte rund 20 Minuten, danach stabilisierte sich Finckes Zustand wieder. Doch genau diese kurze, heftige und vor allem unerklärliche Störung bereitet den NASA-Ärzten große Sorgen. Ein Herzinfarkt wurde ausgeschlossen, auch Ersticken gilt nicht als Ursache. Was genau hinter dem Vorfall steckt, ist völlig unklar.
Ärzte vor Rätsel
Wie die Daily Mail berichtete, konnte Fincke während der Episode nicht sprechen, verspürte aber keinerlei Schmerzen. Seine Kollegen reagierten sofort und kontaktierten die Flugärzte am Boden. Der Astronaut, der insgesamt bereits 549 Tage im All verbracht hat, beschrieb den Moment später wie einen „sehr, sehr schnellen Blitz“.
Für die NASA ist der Fall weit mehr als ein isolierter Zwischenfall. Während die ISS im Notfall noch relativ schnell erreichbar ist, gelten für kommende Missionen ganz andere Bedingungen. Schon bald soll Artemis II vier Astronauten auf einen mehrtägigen Flug um den Mond schicken. Perspektivisch plant die US-Raumfahrtbehörde sogar eine dauerhafte Präsenz auf und um den Mond.
Gefahr für Mond-Missionen
Genau hier wird das Risiko deutlich: Medizinische Notfälle im tiefen All lassen sich nicht einfach durch eine schnelle Rückkehr lösen. Je weiter sich Astronauten von der Erde entfernen, desto schwieriger wird jede Form von Notfallversorgung. Unklare Ereignisse wie jenes von Fincke könnten daher zu einer ernsten Bedrohung werden.
Hinzu kommt, dass der menschliche Körper im All extremen Belastungen ausgesetzt ist. Langzeitaufenthalte in Schwerelosigkeit können zu Muskel- und Knochenabbau, Sehstörungen, Strahlenschäden oder Kreislaufproblemen führen. Auch deshalb überprüft die NASA nun systematisch medizinische Daten früherer Missionen, um mögliche Zusammenhänge zu erkennen.
Der Mensch als Risiko
Fincke selbst ist inzwischen wieder wohlauf, doch der Vorfall wirkt nach. Dass ein erfahrener Astronaut ohne Vorwarnung plötzlich die Kontrolle über grundlegende Funktionen verliert, zeigt deutlich: Die größte Unsicherheit der Raumfahrt ist nicht die Technik – sondern der Mensch.
Für die NASA kommt diese Erkenntnis zu einem heiklen Zeitpunkt. Denn je näher die Rückkehr zum Mond rückt, desto drängender wird eine Frage: Was passiert, wenn so etwas nicht 400 Kilometer über der Erde geschieht – sondern Hunderttausende Kilometer entfernt?
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