Poker in der Wohnung: 480.000 Euro Strafe für Tiroler Freunde
Was als private Pokerrunde begann, endet in einem finanziellen Desaster. Nach einem Gerichtsurteil müssen drei Tiroler fast eine halbe Million Euro zahlen und lernen schmerzhaft, wie schmal der Grat zwischen Freizeitspaß und illegalem Glücksspiel ist.
Pokerrunden im privaten Rahmen können schneller illegal sein, als viele Spieler glauben.GETTYIMAGES/Viktor Cvetkovic
Kartenspielen unter Freunden, ein paar Chips, ein gemütlicher Abend – für viele klingt das harmlos. Doch genau diese Annahme ist drei Männern aus Innsbruck teuer zu stehen gekommen. Ihre über längere Zeit organisierten Pokerrunden in einer Wohnung wertete das Landesgericht Tirol als illegales Glücksspiel und Abgabenhinterziehung. Wie die Heute berichtete, waren die Folgen massive Geldstrafen, bedingte Haftstrafen und eine Steuernachzahlung von 480.000 Euro an das Finanzamt.
Pokerrunden werden zum Fall fürs Gericht
Die drei Tiroler hatten über einen längeren Zeitraum hinweg regelmäßig Pokerrunden organisiert. Für das Landesgericht Tirol war klar, dass dies über ein privates Kartenspiel hinausging. Die Treffen wurden als illegales Glücksspiel eingestuft. Zusätzlich sah das Gericht den Tatbestand der Abgabenhinterziehung als erfüllt an.
Neben hohen Geldstrafen müssen die Männer nun fast eine halbe Million Euro an das Finanzamt zahlen. Zusätzlich wurden bedingte Haftstrafen ausgesprochen. Laut den Behörden stoßen Polizei und Finanz immer wieder auf Wohnungen, die als illegale Casinos genutzt werden – der Tiroler Fall ist also kein Einzelfall.
„Der Grat ist ein schmaler“
Der Wiener Glücksspielrechtsexperte Oliver Peschel erklärt, warum solche Runden rechtlich problematisch werden können. Grundsätzlich sei das Kartenspielen im privaten Bereich erlaubt. „Im privaten Bereich darf zum reinen Vergnügen und um geringe Beträge gespielt werden. Das gilt für Schnapsen und Watten gleich wie für Poker-Runden“, so Peschel.
Entscheidend seien jedoch die Häufigkeit und die Organisation der Spiele. „Erst wenn diese Spiele häufiger stattfinden und dabei größere Summen gesetzt werden, kann es problematisch werden“, erklärt der Experte. Diese „größeren Summen“ sind oft überraschend niedrig: „Bei Spielen unter Freunden lagen sie bei wenigen Euro.“
Regelmäßigkeit macht auch kleine Einsätze heikel
Laut Peschel wird es besonders kritisch, wenn die Runden regelmäßig stattfinden oder ein fixer Spielort genutzt wird. „Wenn die Runden regelmäßig stattfinden, vielleicht sogar mit eigens dafür reserviertem Tisch, kann das auch bei kleinen Einsätzen problematisch werden“, warnt er.
Viele würden fälschlicherweise glauben, Glücksspiel sei nur dann illegal, wenn jemand daran verdient. Doch das sei nicht entscheidend. Wird eine Pokerrunde als illegales Glücksspiel eingestuft, kann das Finanzamt hohe Steuernachzahlungen verlangen. Im Tiroler Fall summierten sich diese auf 480.000 Euro und sind für die Betroffenen existenzbedrohend.
Eine kleine Ausnahme bleibt erlaubt
Kartenspielen um Geld ist allerdings nicht ganz verboten. „Um Geld gekartet werden kann aber nicht nur privat oder im Casino“, erklärt Peschel. Für Gastronomiebetriebe gilt eine Ausnahme: „Diese dürfen einmal im Quartal mit eingeschränkter Personenanzahl Kartenturniere ausrichten, bei denen um maximal zehn Euro pro Turnier und Teilnehmer gespielt wird.“
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