Quanten-Revolution in Wien: Neuer Forschungsstandort soll entstehen
Die Quantentechnologie gilt als eine der wichtigsten Schlüsseltechnologien des 21. Jahrhunderts. Nun will Wien diesen Zukunftsmarkt aktiv mitgestalten: In Neu Marx soll ein neues Zentrum für Quantentechnologie entstehen, das Forschung, Hightech-Industrie und Innovation zusammenbringen soll.
Das neue Quantenzentrum soll im Bezirk Wien-Landstraße angesiedelt werden, genauer gesagt im Innovationsareal Neu Marx. In unmittelbarer Umgebung befinden sich bereits mehrere wissenschaftliche Einrichtungen, darunter das renommierte Biocenter Vienna sowie ein geplantes Life-Science-Forschungszentrum.
Die Stadt verfolgt damit eine klare Strategie: Wissenschaft, Industrie und Start-ups sollen räumlich enger zusammenrücken, um Innovationen schneller in marktfähige Technologien zu überführen.
Nach derzeitigen Planungen soll das Gebäude an der Litfaßstraße entstehen und über sechs Stockwerke verfügen. Insgesamt sind rund 15.600 Quadratmeter Nutzfläche vorgesehen, die moderne Labor- und Forschungsräume beherbergen sollen.
Finanzierung noch offen – private Investoren gesucht
Die Umsetzung des Projekts soll über die Wirtschaftsagentur Wien erfolgen. Neben öffentlichen Mitteln setzt die Stadt auch auf die Beteiligung privater Partner aus der Wirtschaft. Konkrete Kosten wurden bislang nicht genannt. Als grobe Orientierung gilt jedoch das geplante Life-Science-Center in Neu Marx, für das Investitionen von rund 170 Millionen Euro vorgesehen sind.
Der Zeitplan sieht vor, dass die Projektplanung in diesem Jahr beginnt. Die Ausschreibung der Bauarbeiten könnte nach derzeitiger Planung spätestens im Sommer 2027 erfolgen.
Bei der Präsentation des Projekts betonte Bürgermeister Ludwig die Bedeutung Wiens als Wirtschaftsstandort. Laut aktuellen Wirtschaftsdaten sei Wien im vergangenen Jahr das einzige österreichische Bundesland gewesen, das ein Wirtschaftswachstum verzeichnet habe. Die Stadt wolle diese Position weiter stärken und neue Zukunftsbranchen gezielt fördern.
Warum Quantentechnologie als Schlüsseltechnologie gilt
Die geplante Einrichtung soll sich auf die Entwicklung und Anwendung von Quantentechnologien konzentrieren – ein Forschungsfeld, das weltweit zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Quantentechnologie nutzt grundlegende physikalische Eigenschaften um völlig neue Möglichkeiten in der Datenverarbeitung zu schaffen. Dadurch lassen sich Probleme bearbeiten, die für klassische Computer praktisch unlösbar sind.
Ein zentraler Bereich ist dabei das Quantencomputing. Anders als herkömmliche Rechner arbeiten Quantencomputer mit sogenannten Qubits, die mehrere Zustände gleichzeitig annehmen können. Dadurch lassen sich komplexe Berechnungen etwa in der Medikamentenforschung, Materialentwicklung oder Logistikoptimierung deutlich schneller durchführen.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Quantenkryptografie. Kommunikationssysteme auf Basis quantenphysikalischer Prinzipien gelten als besonders sicher, da jeder Abhörversuch den Zustand der übertragenen Information verändert und sofort erkannt werden kann. Darüber hinaus eröffnet Quantentechnologie neue Möglichkeiten in der Sensorik sowie in hochpräzisen Messsystemen, etwa bei Zeitmessung oder Navigation.
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