Rückrufe bei Nestlé- und Danone-Babynahrung: 36 Kinder mit Vergiftungssymptomen
36 Kinder haben Vergiftungssymptome entwickelt, nachdem sie Säuglingsnahrung aus bestimmten Chargen konsumiert hatten. Die Symptome passen zu einer Cereulide-Toxinvergiftung – ein Problem, das im Zusammenhang mit Rückrufen von Nestlé (SMA) und Danone (Aptamil) steht.
Wie die Daily Mail berichtete, verteilen sich die gemeldeten Fälle über das ganze Vereinigte Königreich: 24 in England, 7 in Schottland, 3 in Wales, 1 in Nordirland – plus 1 Meldung aus den Crown Dependencies.
Was im Körper passiert – und wie schnell es losgeht
Im Zentrum steht das Cereulide-Toxin. Es hängt mit Bacillus cereus zusammen – einem sporenbildenden Bakterium, das Lebensmittel verunreinigen kann und bei Wachstum bestimmte Stämme zur Bildung des Toxins bringen kann.
Die Beschwerden setzen oft rasch ein: zwischen 15 Minuten und bis zu sechs Stunden nach dem Verzehr. Am häufigsten kommt es zu Erbrechen, möglich sind auch Bauchkrämpfe und Durchfall. In vielen Fällen klingen die Symptome innerhalb von 24 Stunden ab – vorausgesetzt, es erfolgt keine weitere Aufnahme des Toxins.
In seltenen Fällen kann die Erkrankung schwerer verlaufen: Es wurden „einige“ Fälle mit Leber- oder Nierenschädigungen, Muskelabbau und Multiorganversagen beschrieben. Besonders gefährdet sind junge Kinder und immungeschwächte Personen.
Der Rückruf: erst Nestlé, dann Danone
Der erste große Schritt kam am 5. Jänner: Nestlé startete einen vorsorglichen Rückruf mehrerer Chargen von 12 SMA Infant Formula- und Follow-On Formula-Produkten wegen der möglichen Anwesenheit des Cereulide-Toxins.
Kurz darauf wurde der Rückruf ausgeweitet: Dazu zählt auch eine 800g-Packung SMA First Infant Milk mit Mindesthaltbarkeitsdatum Dezember 2027 und der Kennzeichnung 53390346AB. Dieses Produkt wurde nur in Nordirland vertrieben.
Am 24. Jänner folgte Danone: Zurückgerufen wurde eine Charge Aptamil First Infant Formula wegen Cereulide-Kontamination – betroffen ist die 800g-Packung mit dem Ablaufdatum 31-10-2026.
Ein gemeinsamer Nenner: ARA-Öl und ein Drittanbieter
Bei Nestlé wurde als problematische Zutat Arachidonsäure-Öl (ARA) identifiziert, das der Säuglingsnahrung zugesetzt wurde. Genau dieses ARA-Öl wurde als die Zutat genannt, die das Toxin trug.
Brisant: Beide Rückrufe haben ihren Ursprung bei einem gemeinsamen Drittanbieter eines Zutatenbestandteils.
Diese SMA-Produkte sind betroffen
Neben den mehrfach genannten SMA-Varianten umfasst der Rückruf zahlreiche weitere Produkte. Genannt werden unter anderem:
-SMA Advanced Follow-On Milk
-SMA Anti Reflux
-SMA Alfamino
-SMA First Infant Milk
-SMA Little Steps First Infant Milk
-SMA Comfort
-SMA Lactose Free
Die betroffenen Packungsgrößen reichen von 400g über 800g bis 1,2kg, dazu kommen trinkfertige Varianten wie 200ml und 70ml. Entscheidend sind jeweils Batch Codes und Best-before/Expiry-Angaben, die je nach Produkt auf Unterseite, Außenkarton oder Behälter zu finden sind.
Was Eltern jetzt tun sollen
Die klare Empfehlung: Betroffene Produkte nicht mehr verwenden, auf eine Alternative umsteigen und medizinischen Rat suchen, wenn das Baby bereits daraus getrunken hat – genannt werden Hausarzt oder NHS 111.
Wichtig ist ein zusätzlicher Hinweis für Familien, deren Säuglingsnahrung verschrieben wurde: Vor einem Wechsel soll zuerst mit Apotheker oder Arzt gesprochen werden.
Die Konzerne: „Sicherheit hat Priorität“
Nestlé richtet sich direkt an Eltern und Betreuungspersonen: „Die Sicherheit unserer Produkte und das Wohlergehen von Säuglingen haben für uns oberste Priorität.“ Außerdem heißt es: Nach der Entdeckung eines Qualitätsproblems bei einer Zutat eines „führenden Lieferanten“ habe man alle ARA-Öle und die entsprechenden Ölmischungen getestet und alle potenziell betroffenen Produkte in enger Abstimmung mit den Behörden zurückgerufen.
Danone betont ebenfalls die Sicherheitslinie und erklärt, man kompromittiere „niemals die Lebensmittelsicherheit“. Der Rückruf sei gezielt, betreffe nur eine sehr begrenzte Anzahl spezifischer Chargen, und: „Das betrifft keine Danone-Produkte im irischen Markt“ – dort könne weiterhin „normal“ gekauft und verwendet werden.
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