Schlepper vor Gericht: Tunesier packt aus
Am Landesgericht Linz läuft ein spektakuläres Verfahren um mutmaßliche Schlepperei an: Ein 41-jähriger Tunesier stand am Donnerstag vor Gericht – ihm wird vorgeworfen, maßgeblich an der illegalen Einschleusung von Hunderten Menschen beteiligt gewesen zu sein.
Gleich zu Beginn seiner Einvernahme sorgte der Angeklagte für Aufsehen: „Ich will auspacken, ich habe geholfen“, erklärte der 41-Jährige offen vor Gericht. Zwar sei er lediglich bei zwei Fahrten selbst im Fahrzeug gewesen, doch in weiterer Folge habe er nach eigener Aussage die Transporte von seiner Wohnung aus mitorganisiert und die Route der Fahrzeuge koordiniert.
Zeugen uneins – Aussagen verlieren an Schärfe
Doch an dem Punkt, an dem Klarheit erwartet wurde, folgte die nächste Überraschung: Mehrere der geladenen Zeugen widersprachen sich, einer verweigerte gar die Aussage. Andere wiederum zeigten sich unsicher, ob es sich beim Angeklagten tatsächlich um eine führende Figur der mutmaßlichen Schleusergruppe handle. Die erhoffte Belastung blieb aus – das Verfahren stand plötzlich auf wackligen Beinen.
Die Anklage wirft dem Tunesier vor, zwischen Ungarn und Deutschland hunderte Menschen über österreichisches Staatsgebiet geschleust zu haben. Zwischen 500 und 3.000 Euro pro Kopf soll der Mann kassiert haben.
Verteidigung warnt vor harter Strafe – Prozess geht weiter
Dem Angeklagten droht eine langjährige Haftstrafe. „Wenn die Sache für meinen Mandanten schiefgeht, wird er viele Weihnachten nicht zu Hause verbringen, weil es sicher eine der größten Anklagen im Zusammenhang mit Schlepperei ist, die wir in Oberösterreich bisher gehabt haben“, erklärte sein Anwalt Andreas Mauhart. Ein Urteil blieb zunächst aus. Weitere Auswertungen stehen noch aus – der Prozess wird im September fortgesetzt.
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