Schminke verboten? Sternsingen zwischen Tradition und Zeitgeist-Debatte
Drei Könige, drei Farben – jahrhundertelang war das selbstverständlich. Heute reicht es für eine Kontroverse: Die Empfehlung, Sternsinger nicht mehr zu schminken, sorgt erneut für Diskussionen.
Drei Könige, drei Farben – so kennt man das Sternsingen seit Generationen. Doch genau diese Selbstverständlichkeit gerät zunehmend unter Beschuss. Die Dreikönigsaktion empfiehlt österreichischen Pfarren, beim Sternsingen auf das Schminken von Hautfarben zu verzichten. Der Grund: „Viele Menschen sind irritiert und finden es störend, wenn Sternsinger*innen das Gesicht schwarz, gelb oder rot geschminkt wird, um die geografische Herkunft aus einem anderen Erdteil zu symbolisieren“, heißt es auf der Homepage der Organisation.
Dass ausgerechnet eine kirchliche Tradition nun an den Maßstäben moderner Sensibilitätsdebatten gemessen wird, wirkt auf viele schlicht überzogen. Denn beim Sternsingen geht es nicht um Herabwürdigung, sondern um Symbolik: Die Farben der drei Könige stehen historisch für die damals bekannten Kontinente. Die Dreikönigsaktion selbst bestätigt das – räumt aber ein, das Symbol sei „überholt“, da Hautfarbe nicht mit Kontinenten gleichgesetzt werden könne.
In der Praxis halten sich längst nicht alle Pfarren an die Empfehlung. Am 6. Jänner 2026 traten bei der Dreikönigsmesse in Donnersbach in der Steiermark Caspar, Melchior und Balthasar geschminkt auf – schwarz, weiß und gelb. Der Gottesdienst wurde live auf ORF 3 und Radio Steiermark übertragen. Genau das löste Irritationen und Kritik beim Publikum aus.
Überall Rassismus gesehen
Der ORF betont, dass „Rassismus in ORF-Angeboten keinen Platz“ habe, verweist aber zugleich auf die Autonomie der Pfarren. Die „inhaltliche Gestaltung“ der Gottesdienste liege bei den jeweiligen Gemeinden, in diesem Fall Donnersbach. Die geschminkten Sternsinger waren bereits vor Beginn der Messe in einem filmischen Zuspieler zu sehen – produziert für eine bundesweite Ausstrahlung.
Dass die Debatte regelmäßig aufflammt, zeigt: Das Thema ist weniger ein reales Problem als ein Symbolstreit. So berichtete die Kleine Zeitung, dass in Mürzzuschlag 85 Sternsinger bewusst geschminkt von Haus zu Haus zogen, um „Zusammenhalt über Regionen hinweg“ zu zeigen. Genau diese gut gemeinte, kindgerechte Symbolik wird nun politisch seziert.
Traditionen verkompliziert
Die Dreikönigsaktion betont zwar, dass das Schminken beim Sternsingen nichts mit dem aus den USA stammenden, „Blackfacing“ zu tun habe. Gleichzeitig räumt sie ein: „Dennoch bringen es manche Menschen damit in Verbindung und werten es als unangebracht.“ Genau hier liegt der Kern des Problems: Nicht der Brauch selbst ist diskriminierend, sondern die heutige Lesart, die ihm im Nachhinein etwas unterstellt.
Am Ende bleibt der Eindruck, dass hier Traditionen verkompliziert werden. Aus einem einfachen, gut gemeinten Brauch wird eine politische Grundsatzfrage – und das wirkt auf viele nicht sensibel, sondern schlicht albern.
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