In der heutigen exxpress live Sondersendung blickten Herausgeberin Eva Schütz und Politikwissenschaftler Ralph Schöllhammer auf ein Jahr zurück, das wie ein Beschleuniger wirkt: Gaza nach dem Hamas-Massaker und Trumps Waffenruhe, der Machtkampf um Phase 2, der Überraschungssieg des linken Mamdani in New York – und Mileis radikaler Kurswechsel in Argentinien. Die Kernaussage der Runde: 2025 war erst der Anfang – 2026 wird das Jahr der großen Umbrüche.

Propaganda-Krieg im Internet-Zeitalter

Ein Punkt, der besonders heraussticht: Der Konflikt wird nicht nur mit Waffen geführt – sondern mit Social Media. Schöllhammer argumentiert, dass Ukraine und Gaza der erste große Konflikt im Internet-Zeitalter sind, in dem Propaganda global und extrem effizient wirkt – etwa auf westlichen Unis und in Medienmilieus. Das habe auch das Wiedererstarken von Antisemitismus in bestimmten Kreisen begünstigt. Gleichzeitig wird die moderne Kriegsführung als Zeitenwende beschrieben: Drohnen als billige Angriffswaffen treffen auf extrem teure Abwehr – ein Ungleichgewicht, das Konflikte künftig noch gefährlicher macht.

New York wählt „Mamdani“: Kommunist – oder nur Kostüm?

Dann der nächste Schock aus westlicher Sicht: Mamdani übernimmt New York. Trump beschimpft ihn als „Kommunisten“, die Stadt hält den Atem an – und plötzlich geht es nicht mehr nur um Lokalpolitik, sondern um Ideologien. Eva Schütz stellt die Kernfrage: Wie will Mamdani billigen Wohnraum schaffen – ohne Enteignungen? Genau dort kippt das Thema in Richtung Systemdebatte. Schöllhammer beschreibt Mamdani als „Kostüm-Kommunist“ und „Kostüm-Moslem“: jemand, der Begriffe und Identitätspolitik nutzt, weil sie in bestimmten akademischen Milieus funktionieren – und weil die Sehnsucht nach ideologischer Klarheit wieder wächst.

Argentinien und Milei: Kettensäge oder Skalpell?

Zum Schluss geht’s nach Argentinien: zwei Jahre Milei – und entgegen vieler Vorhersagen habe sich das Land stabilisiert, Inflation sei massiv gefallen und Milei habe Wahlerfolge gefeiert. Gleichzeitig bleibt die Runde realistisch: Extreme Projekte können scheitern, Erwartungen sind oft überzogen – und jedes Land brauche sein eigenes Rezept.

Auf Österreich umgelegt: Keine „Kettensäge“ wie in Argentinien, aber ein „Skalpell“ wäre überfällig – weil Anreizsysteme Leistung ausbremsen und Fairness-Gefühle zerstören. Und: Wenn gespart wird, dürfe es nicht die wirklich Bedürftigen zuerst treffen, während oben kaum Einschnitte spürbar sind.