Schöllhammer: „36 Prozent für die FPÖ - das sind keine Protestwähler mehr“
Interne Machtkämpfe, Absturz in den Umfragen und ein umstrittenes Regierungszitat zeigen, wie weit sich Politik und Bevölkerung inzwischen voneinander entfernt haben.
Bei exxpress live diskutierten Laura Sachslehner und Ralph Schöllhammer über den offenen Machtkampf in der SPÖ, das historische Umfragetief der Regierung und eine Aussage, die viele als offene Geringschätzung der Wähler empfanden.
„In der SPÖ brennt der Hut – und Babler verliert die Kontrolle“
Die SPÖ steckt tief in einer Führungskrise. Andreas Babler steht offiziell an der Parteispitze – doch hinter den Kulissen rumort es massiv. Für Laura Sachslehner ist klar:
Die Probleme reichen weit über schlechte Kommunikation hinaus. „Es funktioniert weder die Kommunikation noch die Umsetzung. Und Babler schafft es nicht, die Partei zu einen.“
Besonders brisant: Der zunehmende Widerstand aus den Bundesländern. Während Wien Babler noch stützt, wächst der Druck von außen. Die Diskussion über eine mögliche Rückkehr von Christian Kern wertete Sachslehner als Zeichen politischer Ideenlosigkeit. „Man orientiert sich wieder nach unten, weil es keine Personaldecke gibt, die Hoffnung macht.“
Ralph Schöllhammer ergänzte: Der Fokus auf Personen greife zu kurz. Entscheidend sei das Fehlen eines klaren politischen Angebots. „Egal wer an der Spitze steht – solange sich an der Politik nichts ändert, ändert sich auch nichts in den Umfragen.“
„36 Prozent für die FPÖ - das sind kein Protestwähler mehr“
Die aktuellen Zahlen sprechen eine klare Sprache: Während die FPÖ bei rund 36 Prozent liegt, kommen ÖVP und SPÖ gemeinsam kaum noch auf eine Mehrheit. Für Schöllhammer ist das kein kurzfristiger Denkzettel, sondern ein strukturelles Signal. „Das ist keine Protestpartei mehr. Das ist eine stabile Mehrheit.“
Beide Gäste betonten, dass sich viele Menschen nicht mehr von Symbolpolitik oder Personalrochaden beeindrucken lassen. Migration, Teuerung und wirtschaftliche Unsicherheit seien zentrale Themen, bei denen große Teile der Bevölkerung das Gefühl hätten, von der Regierung nicht ernst genommen zu werden.
„Der Österreicher steht auf Mieselsucht“ – ein Satz mit Sprengkraft
Für den größten Aufreger sorgte jedoch eine Aussage aus der Regierung selbst. Die Behauptung, die schlechten Umfragewerte lägen daran, dass „der Österreicher auf Mieselsucht steht“, wurde in der Runde scharf kritisiert.
Ralph Schöllhammer fand deutliche Worte: „Das ist keine ungeschickte Formulierung mehr. Das ist eine Wählerbeschimpfung.“
In einem Land im dritten Jahr der Rezession sei es politisch fatal, den Frust der Menschen als bloße schlechte Laune abzutun.
Sachslehner sprach von politischer Arroganz und Realitätsverweigerung. Wer Umfragetiefs mit Mentalitätsdebatten erkläre, lenke von fehlenden Ergebnissen ab. „Die Leute sind nicht mieselsüchtig – sie sind frustriert, weil nichts weitergeht.“
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