Der iranische Regimekritiker Mohamed („Mohi“) Shafiei ist im niederländischen Schoonhoven Opfer eines brutalen Angriffs geworden. Der 36-Jährige, der im IT-Bereich der Polizei arbeitet, wurde am 19. März frühmorgens am Pascalplein nahe seinem Wohnhaus angeschossen und schwer verletzt.

Offiziell sprechen die Behörden bislang nur von einem iranischstämmigen Polizeimitarbeiter – der Name kursiert vor allem in Medienberichten.

Shafiei gilt als pro-monarchistischer Aktivist und scharfer Kritiker des iranischen Regimes. Er hatte wiederholt über Menschenrechtsverletzungen berichtet – und soll zuvor bereits Drohungen erhalten haben.

Festnahme in Deutschland – internationale Spur

Jetzt gibt es eine erste entscheidende Wendung: Ein Verdächtiger (27) wurde am 25. März in Dortmund festgenommen. Die niederländischen Behörden haben bereits seine Auslieferung beantragt.

Parallel dazu verdichten sich die kriminalistischen Spuren. Ein mutmaßlicher Fluchtwagen – Toyota Yaris – wurde sichergestellt, und eine Schusswaffe nahe der Tatstelle im Wasser entdeckt. Die Ermittler prüfen, ob das Fahrzeug bereits Tage zuvor vor Ort war.

Der Fall hat mittlerweile eindeutig eine grenzüberschreitende Dimension.

Politisches Motiv? Spur nach Teheran im Fokus

Offiziell halten sich die Behörden zurück: Ein politisches Motiv ist nicht bestätigt, alle Szenarien werden geprüft. Ein direkter Zusammenhang mit dem iranischen Regime ist bislang nicht belegt.

Doch der Kontext ist brisant: Opfer ist ein iranischer Dissident, der zuvor Drohungen erhielt, und sensible Information über das Regime veröffentlichte.

Mehrere Politiker mit iranischem Hintergrund sprechen bereits von der „langen Hand Teherans“. Die niederländische Regierung reagierte umgehend und verschärfte den Schutz für iranische Oppositionelle.

Kein Einzelfall? Europa unter Druck

Seither häufen sich in Europa Vorfälle mit möglicher Iran-Spur – von Spionage über Brandanschläge bis zu Explosionen.

In Großbritannien flog ein mutmaßliches Netzwerk auf, das jüdische Ziele ausspähte. In Amsterdam und Rotterdam kam es zu Anschlägen auf jüdische Einrichtungen, in Belgien zu Brandattacken mit antisemitischem Hintergrund.

Die Beweislage ist im Detail unterschiedlich – doch das Muster ist auffällig: Europa sieht sich zunehmend mit iran-nahen Operationen konfrontiert.

Brisante Proteste: London greift durch

Auch auf der Straße zeigt sich die Spannung: In London wurde ein pro-iranischer Al-Quds-Marsch verboten – aus Angst vor Eskalation und antisemitischen Vorfällen. Die Polizei sprach von einem „ernsten Risiko“ für die öffentliche Ordnung.

Noch ist nicht bewiesen, dass Teheran hinter dem Attentat steckt. Doch angesichts der zahlreichen Hinweise stellt sich eine Frage immer drängender: Findet ein neuer Schattenkrieg in Europa statt? Vor allem: Beginnt gerade eine neue Phase verdeckter Operationen auf europäischem Boden?