In „exxpress live“ wurde am Mittwoch über den Epstein-Skandal sowie den massiven Vertrauensverlust klassischer Medien diskutiert. Zu Gast waren Autor Werner Reichel, exxpress-Redakteur Stefan Beig und exxpress-Herausgeberin Eva Schütz.

„Es gibt, glaube ich, sechs Millionen Seiten“

Eva Schütz ordnete die Veröffentlichung der sogenannten „Epstein-Files” ein. Der Aktenbestand umfasst insgesamt rund sechs Millionen Seiten, von denen bisher etwa drei Millionen öffentlich gemacht wurden. Der Rest werde laut US-Justiz zurückgehalten, da laufende Ermittlungen betroffen seien.

Schütz warnte vor Vorverurteilungen. Viele Namensnennungen beruhten auf anonymen Hinweisen oder bloßer Erwähnung in E-Mails. Nicht jede Nennung bedeute strafrechtliche Relevanz.

„Nach 2008 wusste man, in welche Richtung das geht“

Werner Reichel zeigte sich dennoch skeptisch. Spätestens nach Epsteins erster Verurteilung im Jahr 2008 sei klar gewesen, mit wem man es zu tun habe. Es sei schwer glaubwürdig, danach Kontakte als ahnungslos darzustellen.

Reichel verwies auf historische Parallelen. Missbrauchsnetzwerke könnten über Jahre oder Jahrzehnte bestehen und würden von Institutionen und Eliten gedeckt. Als Beispiele nannte er Fälle aus Österreich und Großbritannien. Solche Systeme funktionierten, weil viele Beteiligte profitierten und schwiegen.

„Es gab kein Für und Wider mehr, sondern nur mehr ein Für“

Im zweiten Teil der Diskussion ging es um den massiven Leserschwund klassischer Medien. Eva Schütz führte diesen auf einen tiefen Vertrauensverlust zurück, der insbesondere seit der Corona-Zeit entstanden sei. Viele Menschen hätten den Eindruck gehabt, dass abweichende Positionen nicht mehr abgebildet würden.

Reichel sprach von einem strukturellen Wandel: Klassischer Journalismus werde zunehmend durch Meinungs- und Haltungsjournalismus ersetzt. Informationen würden sofort bewertet und nicht mehr nüchtern vermittelt. Das habe viele Leser zu alternativen Informationsquellen getrieben.

„Man hält Medien künstlich am Leben, die keiner mehr liest“

Reichel sah auch die massive staatliche Medienförderung kritisch. Diese verzerre den Wettbewerb und mache viele Medien politisch abhängig. Gleichzeitig diene der Kampf gegen „Hass im Netz“ als Einfallstor für Einschränkungen legitimer Kritik.

Schütz warnte davor, Kritik pauschal zu delegitimieren. Eine offene Debattenkultur sei die Voraussetzung für Vertrauen, doch dieses Vertrauen sei in den letzten Jahren verloren gegangen.

Sie haben die Sendung verpasst? Kein Problem – hier geht’s zur ganzen Sendung: